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20.07.2007
 

Grab geöffnet

DNA-Test soll Streit um Schiller-Schädel klären

Zwei Schädel, ein Dichter: Mehr als 200 Jahre nach dem Tod Friedrich Schillers wollen Forscher endlich wissen, welcher der beiden Totenköpfe der echte ist. Ein Vergleich mit der DNA seines Sohnes Ernst soll Klarheit bringen. Dazu wurde nun dessen Grab geöffnet.

Bonn - Seit 150 Jahren bereits streiten sich die Gelehrten darüber, welcher Totenkopf denn nun der echte Schädel des Dichterfürsten Schiller ist. Die Klassik-Stiftung Weimar hat gleich zwei Kandidaten dafür in ihrem Besitz: den sogenannten Fürstengruft-Schädel und den Froriep-Schädel. Nun soll ein DNA-Vergleich Klarheit bringen.

Dazu haben Anthropologen am gestrigen Donnerstag das historische Schillergrab auf dem Alten Friedhof in Bonn geöffnet. Unter der Leitung von Ursula Wittwer-Backofen aus Freiburg und Herbert Ullrich aus Berlin exhumierten sie die Gebeine der Ehefrau des Dichters, Charlotte von Schiller, und ihres zweitältesten Sohnes Ernst, wie die Stadt heute mitteilte. Den sterblichen Überresten entnahmen die Forscher DNA-Proben.

Die Graböffnung ist Teil des Projekts "Der Friedrich-Schiller-Code", das vom Mitteldeutschen Rundfunks und der Klassik- Stiftung Weimar angestoßen wurde. Inzwischen sei das Schillergrab wieder verschlossen und hergerichtet. Die Ergebnisse des Projektes würden für November erwartet.

Experten in Innsbruck beauftragt

Die Klassik-Stiftung Weimar habe die in ihrem Besitz befindlichen sterblichen Überreste zur Verfügung gestellt, die Friedrich Schiller zugeordnet werden. Dazu gehörten die beiden Schädel sowie Skelett-Teile und Haarlocken, hieß es. Nach Abschluss der Untersuchungen sollten die Gebeine wieder bestattet und die Grabstätte restauriert werden. Mit den DNA-Untersuchungen der Schiller zugeordneten Gebeine wurden Rechtsmediziner um Richard Scheithauer von der Universität Innsbruck beauftragt, die auch den vermutlichen Mozartschädel, die Gletschermumie Ötzi und Tausende Tsunami-Opfer in Indonesien untersucht hatten.

Für die Bestätigung sei ein DNA-Vergleich mit Schillers leiblichem Sohn notwendig. Gerichtsmediziner Walther Parson erklärte, die Bonner Graböffnung sei wissenschaftlich notwendig. "Die Untersuchungen der Bonner Proben haben für die endgültige Beweisführung der bisherigen Erkenntnisse eine Schlüsselstellung".

Die Geschichte der beiden Schädel ist bizarr: 1826, 21 Jahre nach Schillers Tod, suchte Weimars Bürgermeister Carl Leberecht Schwabe in einem Gewölbe auf dem Jacobsfriedhof nach dem Sarg mit Schillers Gebeinen. Nach mehreren Grabungen wurden 23 Schädel geborgen. Der Bürgermeister erkannte in dem größten Schädel den Friedrich Schillers.

Wer ist der richtige?

Der mutmaßliche Kopf des Dichters wurde zunächst in der Großherzoglichen Bibliothek aufbewahrt. Wenige Monate später wurde ein mutmaßlich zum Schädel gehörendes Körperskelett geborgen und ebenfalls in die Bibliothek überführt. Dann ließ sich Goethe den Schädel heimlich in sein Haus bringen. Er schrieb gerade die Terzinen, sein naturphilosophisches Altersgedicht, das nach seinem Tod den Titel "Bei der Betrachtung von Schillers Schädel" erhielt.

1827 wurden die Schiller zugeschriebenen Überreste in der neu erbauten Fürstengruft auf dem neuen Weimarer Friedhof überführt. 1883 erklärte ein Anatom aus Halle an der Saale den Schädel für unecht. Andere widersprachen ihm. 1911 kam ein zweiter mutmaßlicher Schiller-Schädel hinzu, den der Forscher August von Froriep ausgegraben hatte. Zahlreiche Literaturwissenschaftler, Kunsthistoriker, Mediziner und Anthropologen äußern bis 1937 ihre häufig unterschiedlichen Meinungen.

Die Erbgut-Analyse soll das Geheimnis um die Identität nun endgültig klären. Für die Klassik-Stiftung Weimar könnte die aufwendige Recherche auch nachteilig ausgehen - nämlich dann, wenn keiner der Schädel Schiller zugeordnet werden kann. Ein Feuilletonist der "Welt" hat den Klassikhütern in Weimar bereits vorsorglich empfohlen, im Fall der Fälle doch noch mal genau unter dem Geothe-Haus am Frauenplan nachzusehen.

hda/AP

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