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Evolutionsbiologie Warum Männer früher sterben sollten

2. Teil: Im 2. Teil: Unheilvolle Schlussfolgerungen für den männlichen Teil der Menschheit - promiskuitiv oder obsolet?

Voland hat selbst Studien zum Thema durchgeführt und dabei auch einen Mechanismus entdeckt, der einen Teil des positiven großmütterlichen Einflusses erklären könnte - zumindest, was das Überleben von Ostfriesen im 18. und 19. Jahrhundert angeht. Bei einer Untersuchung von Gemeinderegistern aus der Region Krummhörn fanden Voland und sein Kollege Jan Beise einen wichtigen Zeitpunkt im Säuglingsleben, zu dem die Anwesenheit einer Großmutter lebensrettend sein konnte: Zwischen dem sechsten und dem zwölften Lebensmonat war die Überlebenschance mit Oma deutlich höher als ohne. "Das fällt in die Zeit des Abstillens", erklärt Voland.

Leben nach dem Vorbild der greisen Hollywoodstars?

Der Übergang zu der zu dieser Zeit selbstverständlich unpasteurisierten Kuhmilch habe bei einigen Kindern sicher für Probleme gesorgt, und mit denen seien die erfahreneren Großmütter womöglich besser umgegangen. Dieser Faktor dürfte heute keine allzu große Rolle mehr spielen. Der Zusammenhang schließt aber aus, dass die langlebigen Omas und die gesunden Enkelchen nur von den gleichen widerstandsfähigen Genen profitieren: Es sei deutlich, dass das Verhalten und nicht nur das Erbgut der Großmütter sich positiv auswirke, sagt Voland.

Auch heute sei das noch so: Schließlich fließt immer noch viel Geld und Liebe von der Großeltern- zur Enkelgeneration. "Diese Transfers sind beträchtlich", schrieb der Berliner Sozialwissenschaftler Martin Kohli im Jahr 2004, und sie fließen "hauptsächlich abwärts, von der älteren zu den jüngeren Generationen". Die Opas von heute können sich also vielleicht aus der Affäre ziehen, indem sie sich den Enkeln gegenüber ebenso spendabel zeigen wie ihre Gattinnen - denn deren überlegenes Wissen bei der Kindererziehung dürfte angesichts medizinischer Totalversorgung heute weniger stark ins Gewicht fallen.

Dass Forscher überall auf der Welt sich überhaupt mit dieser Frage beschäftigen, hat mit einer seltsamen Anomalie zu tun, die Menschenfrauen von anderen Säugerweibchen unterscheidet: der Menopause. Das sei "ein Sonderfall im Tierreich", sagt Voland - üblicherweise können sich Säuger fortpflanzen, solange sie leben.

Männer überflüssig mit 51?

Für männliche Menschen gilt selbstverständlich genau das. Auch wenn die Zahl der 70-jährigen Kreißsaal-Begleiter auch heute noch überschaubar sein dürfte - rein theoretisch kann auch Opa noch mal Nachwuchs zeugen. Der Schluss der Forscher daher: Das bisschen monogame Gesellschaft, das es in der menschlichen Entwicklungsgeschichte bislang gab, hat sich evolutionär einfach noch nicht ausgewirkt.

Fast könnte man da erleichtert sein, dass unsere Gesellschaft die Bezeichnung monogam eigentlich kaum noch verdient. Hierzulande werden jedes Jahr mehr als halb so viele Ehen geschieden wie geschlossen, und beispielsweise im Jahr 2005 kamen fast 30 Prozent aller Kinder außerehelich zur Welt.

Für den männlichen Teil der Menschheit drängen sich jedenfalls unheilvolle Schlussfolgerungen auf: Entweder wir leben nach, was männliche Hollywoodstars uns vorleben - bis ins hohe Alter immer weiter fortpflanzen, mit immer neuen, jüngeren Partnerinnen. Oder wir bleiben monogam und treu bis ins Alter. Dann aber sind wir als Greise evolutionär obsolet.

Ein Horrorszenario: Schlimmstenfalls könnte sich die männliche Lebensdauer im Laufe der Jahrtausende langsam verkürzen. Bis sie schließlich in der Gegend des durchschnittlichen Menopause-Alters der Frauen angekommen ist - das liegt derzeit bei durchschnittlich 51 Jahren.

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insgesamt 187 Beiträge
sarmb 01.08.2007
die wir bisher nicht verstehen. Soweit ich die Evolutionsbiologie bisher verstanden habe, optimiert sich das System selbst. Wenn es also keine Vorteil für die Art Mensch gäbe, Männer so lange leben zu lassen, dann wäre dies aus [...]
die wir bisher nicht verstehen. Soweit ich die Evolutionsbiologie bisher verstanden habe, optimiert sich das System selbst. Wenn es also keine Vorteil für die Art Mensch gäbe, Männer so lange leben zu lassen, dann wäre dies aus evolutionsbiologischer Sicht schon lange korrigiert worden. Dass die Forscher/innen den Grund bisher nicht gefunden haben, liegt nicht an der Evolutionsbiologie und nicht an den Männern/Opas.
Die Evolution kann ja nicht in die Zukunft schauen und weil hin und wieder doch ein netter Opa auf der Welt ist, kann man nicht alle ausmerzen, so zu sagen vorsichtshalber. So retten einige nette Opas Millionen und aber [...]
Zitat von sysopWarum nur leben Männer fast so lang wie Frauen? Aus Sicht der Evolution werden sie viel zu alt - ab einem bestimmten Alter sie sind in monogamen Gesellschaften einfach nutzlos. Omas dagegen braucht man immer: Sie sorgen für gesündere Enkel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,497320,00.html
Die Evolution kann ja nicht in die Zukunft schauen und weil hin und wieder doch ein netter Opa auf der Welt ist, kann man nicht alle ausmerzen, so zu sagen vorsichtshalber. So retten einige nette Opas Millionen und aber Millionen von Nülpen das Leben;o). MfG. Rainer
gerd59 01.08.2007
Wer, so möchte ich etwas polemisch fragen, sichert eigentlich das Überleben der Evolutionsbiologen? Ich habe den vagen Verdacht, dass es nicht ihre Forschungsergebnisse sind. Diese Steinzeitperspektive, mit der Phänomene [...]
Wer, so möchte ich etwas polemisch fragen, sichert eigentlich das Überleben der Evolutionsbiologen? Ich habe den vagen Verdacht, dass es nicht ihre Forschungsergebnisse sind. Diese Steinzeitperspektive, mit der Phänomene betrachtet werden (Verbreitung der Gene etc.), kommt mir, ehrlich gesagt, nicht sehr hilfreich vor. Das Besondere am Menschen ist ja gerade, dass er - trotz weitgehender Konstanz des genetischen Materials - einen "kulturellen Überbau" entwickelt hat, der große Bedeutung erlangt hat und unsere genetische Disposition relativiert. Dies alles scheinen die Damen und Herren Evolutionsbiologen aber geflissentlich auszublenden. Sich schnell wandelnde politische und wirtschaftliche Strukturen, dynamische gesellschaftliche Sicherungssysteme, veränderte Rollenmuster, neue Familienstrukturen usw. - wie wär's mit einem Blick darauf? Nö, brauchen wir nicht, wir zählen die Zahl der Enkel und werten dies schlicht als "Erfolg". Nach dieser Logik ist dann die deutsche Gesellschaft eine erfolglose Gesellschaft (wenig Babys), und wir sollten einen Blick nach Indien werfen, um deren Erfolgsrezepte zu kopieren. Diese eindimensionale Betrachtung der Mann-Frau-Thematik mit Kennwerten der Steinzeit empfinde ich schlicht als irrelevant.
rherbst 01.08.2007
Wie aber sollte die Gesellschaft mit dem Ergebnis eines solchen Forschungsberichts umgehen: Die kranken Opas durch den "sanften Entzug" von Krankenversicherungsleistungen und deren gesunde Exemplare durch [...]
Wie aber sollte die Gesellschaft mit dem Ergebnis eines solchen Forschungsberichts umgehen: Die kranken Opas durch den "sanften Entzug" von Krankenversicherungsleistungen und deren gesunde Exemplare durch "Abschöpfung und Verwertung" dezimieren oder das Undenkbare denken und sich von der Monogamie endgültig offiziell verabschieden. Warum sollten Familien nicht dem Modell von Firmen folgen können und in sich mit mehrheitlicher Zustimmung der gegenwärtigen Partner beliebig viele neue Partner aufnehmen können? Staatlicherseits werden sie ja ohnehin schon lange als reine Versorgungsgesellschaften betrachtet.
DELAN 01.08.2007
Ich fürchte, Ihnen macht das Sommerloch zu schaffen. Die Aussage, Männer seien ab einem bestimmten Alter nutzlos, passt man gerade so hinein ins Sommerloch - fast aber ist es schon zu klein für solch groben Unfug. Gruß DELAN
Zitat von sysopWarum nur leben Männer fast so lang wie Frauen? Aus Sicht der Evolution werden sie viel zu alt - ab einem bestimmten Alter sie sind in monogamen Gesellschaften einfach nutzlos. Omas dagegen braucht man immer: Sie sorgen für gesündere Enkel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,497320,00.html
Ich fürchte, Ihnen macht das Sommerloch zu schaffen. Die Aussage, Männer seien ab einem bestimmten Alter nutzlos, passt man gerade so hinein ins Sommerloch - fast aber ist es schon zu klein für solch groben Unfug. Gruß DELAN
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