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Innere Uhr Nachts essen macht doch dick

2. Teil: Essen und Schlafen, Schlafen und Essen: Auch geregelte Mahlzeiten helfen dem Körper

Mangelnder und unregelmäßiger Schlaf könnte erklären, weshalb auch manche Menschen selbst von kleinen Portionen im wörtlichen Sinne über Nacht zunehmen. Robert Daniel Vorona von der Eastern Virginia Medical School in Norfolk entdeckte bei einer Befragung von 1000 Personen, dass dicke Menschen im Schnitt 16 Minuten weniger schlafen. "Die Pfunde lassen sich dabei nicht alleine dadurch erklären, dass man mehr isst, wenn man länger aufbleibt", hält Vorona fest. Schon bei Kindern lässt zu wenig Schlaf den Zeiger auf der Waage in die Höhe schnellen.

Dutzende Verdauungsenzyme und Botenstoffe schwellen im Takt der biologischen Uhr an und ab. Ihre Aktivität pendelt mit einer Periode von 24 Stunden. Gönnt man sich in der Nacht nicht ausreichend Bettruhe, so kippt dieses subtile Gleichgewicht. Bei Testpersonen, die nur vier Stunden jede Nacht schliefen, schütten die Zellen kleinere Mengen des Appetitzüglers Leptin und weniger Insulin aus. Dafür werden mehr von dem appetitanregenden Ghrelin freigesetzt. Die Übernächtigten fühlen sich ständig hungrig. Zugleich werden mehr Nährstoffe aus dem Essen als Reserve gebunkert.

Schichtarbeiter sind häufiger übergewichtig

Dieses Chaos der Botenstoffe hat auf lange Sicht gravierende Folgen: Schichtarbeiter sind nicht nur häufiger übergewichtig. Sie werden auch leichter zuckerkrank und sind häufiger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gepeinigt. Ihre Blutfettwerte sind im Schnitt deutlich schlechter als die der übrigen Beschäftigten. Sogar die Wahrscheinlichkeit, Krebs zu bekommen, ist bei ihnen größer.

"Die Befunde sind sehr ernstzunehmen", sagt Vanselow. "Allerdings ist der kausale Zusammenhang zwischen der inneren Uhr und dem Stoffwechsel noch Gegenstand der Forschung." Nicht nur mangelnder Schlaf stellt die Verdauung auf den Kopf. Offenbar wirkt auch die Nahrungsaufnahme auf die innere Uhr. Geregelte Mahlzeiten helfen dem Zeitgeber im Kopf also, sich mit der Umwelt zu synchronisieren - unregelmäßige Mahlzeiten und Nulldiäten bringen ihn indes durcheinander.

Mit diesen Erkenntnissen wird die überkommene Tradition fester Essens- und Schlafenszeiten unvermittelt auf ein wissenschaftliches Fundament gestellt. Küchenmedizinische Weisheiten wie "Nachts essen macht dick" waren von verschiedenen Ernährungsforschern als Humbug abgestempelt worden - offenbar vorschnell angesichts der neuen Erkenntnisse aus der Chronobiologie.

Susanne Donner, ddp

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