Von Stefan Schmitt
Zwei zurückgezogene Papers und viele offene Fragen: Handelt es sich bei alledem um Missverständnisse, Verwechslungen und Nachlässigkeiten? "Er galt als hochintelligent, aber reserviert", sagte ein ehemaliger Kollege von der Universität Bielefeld zu "Nature". Ein anderer Weggefährte, der heute an einer Berliner Fachhochschule arbeitet, sagte, es sei schwer gewesen, mit Gottinger zusammenzuarbeiten, da er "nicht sehr kommunikativ" gewesen sei. Nichts davon ist verwerflich oder gar verboten.
Doch alleine die nachgewiesenen Plagiate stellen schwerwiegende Verstöße gegen die wissenschaftlichen Gepflogenheiten dar. Weitere Verdachtsmomente gibt es in großer Zahl.
1979, berichtet "Nature", sei Gottinger beim GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München (mittlerweile ist es nach Neuherberg umgezogen) entlassen worden. Der Pressesprecher des Instituts, Heinz-Jörg Haury, sagte: "Es hat Unregelmäßigkeiten bei einem EU-Projektantrag gegeben." 1984 habe man sich daher von Gottinger getrennt. Der Forscher selbst teilte mit, er habe vielmehr gekündigt, weil die mündlich zugesagte Finanzierung eines Drittmittelprojekts geplatzt sei.
1988 wurde Gottinger dann aber Direktor des Fraunhofer-Instituts für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen in Euskirchen. Uwe Wiemken, der heutige Direktor des Instituts, sagte "Nature", die Berufung habe "nicht friedvoll geendet". Zu SPIEGEL ONLINE sagte er: "Erkennbar war, dass es Differenzen gab." Dies gehe ja auch aus der Tatsache hervor, dass Gottinger das Institut bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen habe. Wiemken sagte auch, dass seines Wissens Plagiatsvorwürfe damals keine Rolle gespielt haben. In Österreich wäre Gottinger dann 1995 beinahe Rektor einer Hochschule geworden: An der Universität Klagenfurt fehlten ihm im entscheidenden Wahlgang nur wenige Stimmen.
Heute nennt der Forscher, der gegenüber SPIEGEL ONLINE eingeräumt hat, an keinem Institut und keiner Universität mehr angestellt zu sein, noch das International Institute for Technology Management and Economics (IITME) als Kontakt. Als Adresse nennt er dieselbe, unter der er und seine Frau auch im Ingolstädter Telefonbuch stehen. Wer das Institut mit dem wohlklingenden Namen mit der Internet-Suchmaschine Google sucht, findet lediglich drei Einträge - sie verweisen auf Fachaufsätze Gottingers.
Mit Material von dpa
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