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Angkor Forscher entdecken Ruinen riesiger Dschungel-Metropole

2. Teil: Rücksichtslose Ausbeutung - hohe Anfälligkeit gegenüber Kriegen und Naturkatastrophen

Die Karte zeige auch, dass die Größe vormoderner Siedlungen nicht wie allgemein angenommen einfach anhand ihrer Stadtmauern definiert werden könne. Angkor Wat und die angrenzende ummauerte Stadt Angkor Thom seien zwar besonders dicht besiedelt gewesen. "Aber wir sehen auch, dass Angkor nicht an den Stadtmauern endete, sondern ein riesiges Geflecht aus landwirtschaftlichen und besiedelten Flächen war und sich praktisch ohne Unterbrechung über mindestens 1000 Quadratkilometer erstreckte", sagt Evans. Auf dieser Fläche gebe es kaum einen Quadratkilometer, der nicht verändert und genutzt worden sei.

Die neuen Daten widerlegen laut Evans auch die Annahme, dass das Bewässerungsnetz nicht dazu geeignet war, den Reisanbau zu intensivieren. "Alle großen Stauseen haben Zu- und Abflüsse, es gibt Verteilerkanäle, und jede einzelne Wasserquelle der Region wurde intensiv und rücksichtslos ausgebeutet."

"Immer komplexer und unkontrollierbarer"

Das habe vermutlich auch zum Untergang Angkors geführt. "Die Reiswirtschaft in Angkor hatte einen extremen Wasserbedarf", sagt Evans. Große Waldflächen seien gerodet worden, um die bewässerten Felder anzulegen. Das System habe derartige Ausmaße besessen, dass es mit der Zeit wahrscheinlich zu massiven Problemen führte - wie etwa zum Auslaugen des Oberbodens, zu Erosion und Überbevölkerung. Das empfindliche und komplexe System dürfte außerdem äußerst empfindlich auf Naturkatastrophen und Kriege reagiert haben.

Insbesondere im neu erfassten Norden Angkors habe man Spuren von hektischen Anpassungsmaßnahmen, Deichbrüchen und einem Versagen des Systems gefunden, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Fachartikel. "Das legt nahe, dass das System über eine Zeit von mehreren Jahrhunderten immer komplexer und unkontrollierbarer wurde."

Genaueres wisse man aber nicht. Evans kündigt an: "Wir werden Ausgrabungen und Pollen-Analysen durchführen." Jetzt, da man die Siedlungsfläche beziffern könne, seien bald auch bessere Annahmen über die Bevölkerungszahl im mittelalterlichen Angkor möglich - "anstatt wilder Vermutungen über eine Million Menschen". Die neue Karte verrate "zumindest, wo wir nach Antworten suchen sollten".

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