In Australien zweifeln selbst führende Politiker das Ausmaß und die Ursachen der weltweiten Klimaerwärmung an - vorneweg der konservative Premierminister John Howard und seine Regierung. Trotz der IPCC-Weltklimaberichte der Uno über den enormen menschlichen Beitrag zur globalen Erwärmung, versuchte Australiens Regierung jahrelang den Ernst der Lage herunterzuspielen. Nun führt ein neues Papier von Parlamentariern der Regierungspartei zu heftigen Diskussionen. Sie zweifeln darin den wissenschaftlichen Konsens über den Klimawandel an.
"Der Klimawandel ist ein Naturphänomen, das es schon immer gegeben hat und immer geben wird", heißt es in einem Minderheitsvotum zum Bericht eines Parlamentsausschusses, das von vier Abgeordneten veröffentlicht wurde. Darin heißt es auch: Dass auch menschliche Aktivitäten das Klima entscheidend stören, müsse erst noch bewiesen werden.
Ausgerechnet mit Maßnahmen zur Verringerungen des CO2-Ausstoßes hatte sich der Ausschuss beschäftigt, der nun für den Eklat sorgte. Die Mitglieder sollten Möglichkeiten zur Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung erörtern. Mit seiner Mehrheit sprach das Gremium sich auch für den Bau mindestens einer Testanlage aus. Nur die vier Parteifreunde des Regierungschefs eben nicht - und das sorgte für hämische Kommentare in Australien.
Dem konservativen Premierminister John Howard, seit elf Jahren im Amt, dürfte das höchst ungelegen kommen. Er muss sich ohnehin schon gegen Anschuldigungen wehren, er tue zu wenig gegen den Klimawandel. Mit seiner bisherigen Klimapolitik liegt er ganz auf der Linie von US-Präsident George W. Bush und verweigerte auch die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls. Auch wenn das Land nach absoluten Zahlen nicht zu den größten Kohlendioxid-Emittenten gehört, liegt es beim Pro-Kopf-Ausstoß des klimaschädlichen CO2 an der Weltspitze.
Klimawandel als Wahlkampf-Aufreger
Noch in diesem Jahr stehen in Australien Parlamentswahlen an, der Klimawandel wird dabei immer mehr zum Top-Thema. Internationale Studien haben ergeben, dass das seit Jahren von Dürre geplagte Land hart von steigenden Temperaturen und anderen Wetterextremen betroffen sein wird.
Unlängst hatte Howard Projekte angekündigt, um den Klimawandel zu bekämpfen. "Seine Sprache hat sich geändert, weil bei Meinungsumfragen herausgekommen ist, dass sich die Australier große Sorgen wegen der globalen Erwärmung machen und wütend darüber sind, dass er nichts tut", sagt Grünen-Politikerin Christine Milne.
Entsprechend distanzierte sich Howard von der Position seiner Parteifreunde. "Nein, ich bin nicht ihrer Meinung", sagte er im Parlament. Das Timing der Parlamentarier ist für den Premier denkbar schlecht: Eine Umfrage vom Wochenende ergab, dass er sein Mandat als Abgeordneter verlieren könnte, das er seit 1974 inne hat.
khü/Reuters
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