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Verpuffte Energie Ölförderer fackeln Gas im Wert von 40 Milliarden Dollar ab

2. Teil: Abfackler Nummer eins: Russland

Rund 50 Milliarden Kubikmeter Gas fackelt demnach allein Russlands Ölindustrie jedes Jahr nutzlos ab - ein Drittel der globalen Gesamtmenge. Diese Zahl ist um ein Mehrfaches größer als die 15 Milliarden Kubikmeter, die Russland vor drei Jahren offiziell angegeben hat. Auch Länder wie Kasachstan, Saudi Arabien und China haben ihren Beitrag offenbar untertrieben und werden durch die Satellitenbeobachtungen als stärkere Verschmutzer der Atmosphäre entlarvt. Russland und Kasachstan hebt die Studie zugleich als jene Ölförderländer (neben Iran) hervor, in denen das Abfackeln von Gas zwischen 1995 und 2006 zugenommen habe, und zwar um drei bis zehn Milliarden Kubikmeter jährlich.

15 Ländern und Fördergebieten attestiert die Studie dagegen einen rückläufigen Trend, darunter Norwegen und den Nordsee-Feldern. Auch Nigeria, das bisher als größter Gasvergeuder auf seinen zahlreichen Ölbohrinseln im Golf von Guinea galt, fackelt demnach nicht mehr so viel ab wie noch Mitte der neunziger Jahre. Anders als Russland ist der westafrikanische Staat in die Reduktionsinitiative der Weltbank eingebunden, bringt es aber immer noch auf über 20 Milliarden Kubikmeter Fackelgas pro Saison.

"Das meiste Erdöl wird in entlegenen Gegenden gefördert, oft draußen im Meer, weit weg von potentiellen Abnehmern für das Gas", umreißt Bent Svensson das grundsätzliche Problem. "Der Schlüssel für seine Verwertung" sei daher der Aufbau einer geeigneten Infrastruktur, an der es bisher fehle und die, wie der Schwede anregt, von mehreren Förderunternehmen in demselben Gebiet gemeinsam aufgebaut und genutzt werden könnten.

Svensson weiß aber auch: Beim derzeitigen Ölpreisniveau und den Profiten, die die Energiekonzerne machen, sieht keiner von ihnen einen Anreiz, auch noch in die Gasverwertung zu investieren. Attraktiv ist das allenfalls in Entwicklungs- und Schwellenländern, wo der sogenannte Clean Development Mechanism (CDM) des Kyoto-Protokolls greift. Erfüllt ein Projekt die CDM-Standards und führt nachweislich zu einer Reduktion von Treibhausgas-Emissionen, streichen seine Initiatoren dafür CO2-Zertifikate ein, die sie im Rahmen des Emissionshandels verkaufen können.

Im ölreichen Golf von Guinea gibt es inzwischen ein erstes nigerianisches Pilotprojekt, das nach dem CDM-Prinzip registriert wurde. Das Erdgas wird teils in die Lagerstätte zurück injiziert, teils per Pipeline zu einem Gaskraftwerk befördert. Dort entsteht bei der Stromerzeugung dann weniger CO2 als bei der (in Nigeria noch anzutreffenden) Verwendung von Öl als Brennstoff.

Laut Svensson bereitet die Weltbank weitere derartige CDM-Projekte vor, unter anderem in Indonesien und Katar. Zusammengenommen sollen alle Aktivitäten im Rahmen der Anti-Abfackelungskampagne dazu führen, dass die Atmosphäre um die 32 Millionen Tonnen Kohlendioxid bis zum Jahr 2012 entlastet wird.

Verglichen mit den 400 Millionen Tonnen, die die lodernden Gasfeuer der Ölindustrie alljährlich emittieren, ist das allerdings nur ein kleines CO2-Wölkchen, das der Atmosphäre erspart bleibt.

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