Gerüchte haben einen stärkeren Einfluss auf die Meinung und Entscheidungsfindung als Fakten, ergab eine Studie deutscher Wissenschaftler. "Menschen werden übermäßig stark von Klatsch beeinflusst, auch wenn er dem widerspricht, was sie gesehen haben", berichtete der Biologe Ralf Sommerfeld vom Max Planck Institut für Evolutionsbiologie im schleswig-holsteinischen Plön in dem US-Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Um den Einfluss des Klatschs zu untersuchen machten die Forscher ein Experiment mit Studenten: Jeder Teilnehmer erhielt zehn Euro und durfte sich entscheiden, ob er einem Partner davon einen Teil abgab oder das ganze Geld für sich behielt. In weiteren Runden erfuhren die Studenten dann vor ihrer Entscheidung durch verteilte Notizen, wie sich ihr Gegenpart zuvor verhalten hatte.
Wurde ein Mitspieler von anderen als großzügig bezeichnet, tendierten die anderen dazu, ihm auch eher Geld zu geben - ohne dass sie für die Richtigkeit der Notizen Belege hatten. Sogar als die Spieler Informationen über das konkrete Verhalten ihrer Mitspieler in vorherigen Runden erhielten, vertrauten sie lieber dem Klatsch auf den Notizen, auch wenn dieser der Realität widersprach.
Menschen seien kulturell daran gewöhnt ihre Entscheidungen aufgrund von Tratsch, Gerüchten oder anderen mündlich überlieferten Informationen zu treffen, erklärte Sommerfeld. Diese Strategie sei vor allem erfolgreich in Umgebungen, wo ein Mensch nicht alles selbst beobachten kann, sondern auf indirekte Informationen aus anderen Quellen angewiesen ist.
lub/afp
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