New York - Sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel der Erde treten Infektionen mit dem Influenza-Virus vom Herbst bis in den späten Winter häufiger auf als zu allen anderen Jahreszeiten. Über die Gründe rätseln Forscher bis heute - denn dass die Kälte allein die Abwehrkräfte schwächt, gilt als unwahrscheinlich.
Als Ursachen der herbstlichen und winterlichen Grippewellen werden mehrere Faktoren diskutiert: Veränderungen des Immunsystems, die in der dunklen Jahreszeit beispielsweise durch das Schlafhormon Melatonin oder einen Mangel an Vitamin D verursacht werden. Auch Verhaltensmuster kämen als Ursache infrage, da sich Menschen im Winter beispielsweise häufiger in engem Kontakt mit anderen in geschlossenen Räumen aufhalten.
Als mögliche Einflussgrößen galten seit längerem auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Sie spielen tatsächlich eine wesentliche Rolle für die Verbreitung der Tröpfcheninfektion, wie US-Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben. Das Team um Anice Lowen von der Mount Sinai School of Medicine in New York hat Meerschweinchen unter unterschiedlichen Bedingungen mit Influenza-A-Viren infiziert - dem Virusstamm, der auch beim Menschen eine Grippe hervorruft.
Bei den Tests zeigte sich, dass sich die Meerschweinchen bei 5 Grad Celsius eher bei ihren infizierten Artgenossen ansteckten als bei 20 oder 30 Grad. Auch eine niedrige Luftfeuchtigkeit von 20 Prozent begünstigte die Ausbreitung der Viren, während es bei Luftfeuchtigkeiten von über 80 Prozent überhaupt keine Ansteckungen mehr gegeben habe.
Für diesen Effekt gibt es mehrere mögliche Erklärungen, schreiben die Forscher jetzt im Online-Fachblatt "PLoS Pathogens". An Feuchtigkeit arme Luft trockne die Schleimhäute der Atemwege aus und verursache dabei möglicherweise kleine Schäden, die den Viren das Eindringen erleichterten. Es gebe auch Hinweise darauf, dass sich die Viren bei hoher Feuchtigkeit schneller zersetzen. Zudem bleiben die Tröpfchen, mit denen die Erreger transportiert werden, in trockener Luft feiner verteilt als in feuchter. Die Kälte könne außerdem dazu führen, dass sich der Nasenschleim verdickt und die Schleimhäute nicht mehr so effizient schützen könne.
Das Immunsystem der Tiere war durch die niedrige Temperatur jedenfalls nicht beeinträchtigt, schreiben die Wissenschaftler. Sie wollen nun mit Hilfe eines Datenvergleichs überprüfen, ob sich der Verlauf von Grippewellen beim Menschen anhand von Wetterdaten verfolgen lässt.
mbe/ddp
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