Von Markus Becker
Wer in westlichen Industriestaaten lebt, so viel scheint klar, wird kaum am Klimawandel sterben: Deiche werden noch höher gebaut, die Landwirtschaft den neuen Gegebenheiten angepasst, Infrastrukturen für die Katastrophenbekämpfung geschaffen, Krankenhäuser auf Hitze-Opfer vorbereitet.
In den ärmeren Ländern sieht die Lage dagegen anders aus - und die verheerenden Folgen, die dort durch den Klimawandel drohen, könnten auf die ganze Welt zurückschlagen, wie Wissenschaftler in neuen Studien warnen.
Abfallsammler auf der Olusosun Müllhalde in der nigerianischen Metropole Lagos: Der Klimawandel bedroht vor allem die Lebensgrundlage der Ärmsten
Die Londoner Forschergruppe International Alert etwa hat jetzt ihren Report "A Climate of Conflict" vorgestellt. In 46 Staaten mit insgesamt 2,7 Milliarden Einwohnern "werden die Folgen des Klimawandels im Zusammenspiel mit wirtschaftlichen, sozialen und politischen Problemen zu einem hohen Risiko bewaffneter Konflikte führen", heißt es darin. In weiteren 56 Staaten mit 1,2 Milliarden Einwohnern würden die Effekte der globalen Erwärmung voraussichtlich politische Instabilitäten auslösen, die langfristig auch dort zu kriegerischen Auseinandersetzungen führen könnten (siehe Grafik).
"Die Zahlen sind verlässlich"
3,9 Milliarden Menschen bedroht von klimabedingten Gewaltausbrüchen - eine übertriebene Annahme? "Die Zahlen sind verlässlich", sagt Dan Smith von International Alert, einer der beiden Autoren der Studie, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Unter den Nationen, in denen nicht nur das Risiko, sondern die Gewissheit bewaffneter Konflikte bestehen könnte, befindet sich Indien. Allein dort gibt es mehr als eine Milliarde Menschen."
Fraglich erscheint auf den ersten Blick, ob gleich alle Bewohner eines solchen Riesenstaats betroffen wären und nicht nur einzelne Regionen. "Die Wasserversorgung von 400 Millionen Menschen hängt vom Ganges-Flusssystem ab, und die Wasserstände fallen spürbar", hält Smith dem entgegen. "Die dadurch verursachten Konflikte werden sehr direkte Folgen für diese 400 Millionen Menschen haben."
Tatsächlich gilt die Wasserwirtschaft in Asien als einer der gefährlichsten Aspekte der globalen Erwärmung. Der Himalaya zählt neben der Arktis zu den Gebieten der Welt, die sich am schnellsten erwärmen. Zwischen 1977 und 2000 ist die dortige Durchschnittstemperatur viermal schneller gestiegen als die globale. Die Folgen sind schon heute sichtbar: Die Gletscher des Himalaya schmelzen rapide.
Hunderte Millionen Menschen sind dadurch von Überflutungen und anschließend von Wassermangel bedroht. Denn im Himalaya-Gebiet entspringen unter anderem der Jangtse, der Mekong, der Indus und der Brahmaputra - vier der größten Flüsse Asiens. Für sie würde ein Verschwinden der Himalaya-Gletscher verheerende Folgen haben.
Kriege und Migration durch fehlende Versorgungssicherheit
Ähnliches befürchten die Londoner Experten für Teile Südamerikas. Die meisten der peruanischen Anden-Gletscher seien voraussichtlich bis 2015 verschwunden, heißt es in der Studie. Zwei Drittel von Perus 27 Millionen Einwohnern leben demnach in Küstengebieten, wo die natürlichen Quellen nur rund 1,8 Prozent des Wasserbedarfs deckten. Sowohl die Städte als auch die Landwirtschaft hängen deshalb vom Wasserstrom aus den Gebirgen ab.
Auch in Regionen, die eher vom Grund- als vom Gletscherwasser leben, birgt der Klimawandel bisher ungeahnte Gefahren. Erst am Mittwoch haben US-Forscher eine Studie veröffentlicht, der zufolge die steigenden Meeresspiegel die Grundwasserversorgung in Küstenstädten weit stärker schmälern werden als bisher vermutet.
Da Süßwasser auch zum Getreideanbau verwendet wird, gefährdet der Klimawandel die Nahrungsversorgung. Das gleiche gilt für Gebiete, in denen die steigenden Temperaturen Dürren und Wüstenbildung nach sich ziehen. Was die Fachleute am meisten beunruhigt: Es handelt sich dabei nicht um vorübergehende Engpässe. "Humanitäre Hilfe kann kurzfristig Lücken füllen, aber keine grundlegende Nahrungsmittel-Unsicherheit beseitigen", heißt es in dem Report von International Alert. Und wo die Nahrungsversorgung grundsätzlich unsicher sei, "sind Abwanderungen und Konflikte praktisch unvermeidbar".
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Nciht Äpfel und Birnen verwechseln: Haloalkane sind nicht mit FCKW gleichzusetzen. Und was vulkanische FCKW-Quelle angeht, schau mer mal: http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es990838q ---Zitat--- A conservative [...] mehr...
Dann sollte man es auch ganz lesen. Bisher sind natürliche Brom und Methanverbindungen bekannt die schon mal für 30% des Ozonabbaus gelten sollen. Aber nun untersucht man 3500 Stoffe (Möglichkeiten) , die man bis dato noch [...] mehr...
Sie wissen doch, wie das so mit den Schätzungen ist: Was Genaues weiß man nicht. Bestes Beispiel der Schweinegrippehype, wo auch sämtliche Schätzungen danebenlagen. mehr...
Ich habe das CClF3 übersehen? *Sie scherzen!* Sie haben es eben erst erwähnt; mal *wieder ohne Referenz*. Brauche ich auch nicht, da seine natürlichen Quellen schon in Molina&Rowland(1974) erwähnt wurden. Ich hatte gefragt [...] mehr...
Ich wundere mich, dass Sie sich überhaupt noch trauen, etwas zu schreiben - vor allem dann, wenn Sie keinen einzigen Punkt meiner Checkliste (http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=5248345&postcount=2038) durchgegangen [...] mehr...
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