Von Markus Becker
Zu allem kommt nun die wachsende Gefahr einer Ölkrise. In dieser Woche läuft in Großbritannien der Film "A Crude Awakening: The Oil Crash" an, der nach Al Gores "Eine Unbequeme Wahrheit" der zweite große Kinoerfolg über die Folgen der Ausbeutung der Erde werden könnte.
Der Streifen, der bei den Filmfestivals in Zürich und Palm Beach mit Preisen bedacht wurde, platzt präzise in eine Zeit rasant steigender Ölpreise und Prognosen, denen zufolge die Ölförderung schon bald ihren Höhepunkt überschreiten wird. Kollabierende Wirtschaftssysteme in Amerika, Benzin-Aufstände in Afrika - die Folgen der Ölkrise seien "beängstigender als ein Horrorfilm", glauben die Macher des Films, Ray McCormack und Basil Gelpke.
Öl- und Klimakrise: Die doppelte Gefahr
Mit dieser Meinung sind sie nicht allein. Die rapide steigenden Ölpreise seien nicht nur eine Bedrohung für die Verkehrssysteme und damit vor allem für westliche Gesellschaften, sagte David Strahan, Autor des Buchs "The Last Oil Shock", der britischen Zeitung "The Observer". "Überall in Asien, insbesondere in Indien und Bangladesch, pumpen Bauern das Wasser mit Diesel-Generatoren auf ihre Felder. Können sie den Treibstoff nicht mehr bezahlen, könnte es zu Hungersnöten und Unruhen kommen."
Da Öl nicht nur zu Treibstoffen, sondern auch zu Materialien wie Asphalt und Kunststoffen verarbeitet wird, hängt praktisch die gesamte Weltwirtschaft am Öltropf. Ob Techniken wie die Kohleverflüssigung oder neue Fördermethoden den rasanten Anstieg des Ölpreises verhindern können, erscheint fraglich.
Das größte Verheerungspotential des Zusammenspiels von Klima- und Ölkrise sehen die Experten wiederum in den armen Ländern - vorerst. "Staaten, die mit den Folgen des Klimawandels ein Problem haben, werden auch mit steigenden Ölpreisen ein Problem haben", meint der Londoner Experte Smith.
Das Ende der Globalisierung
Der Kampf um die Ressourcen des Planeten könnte gar der Globalisierung ein baldiges Ende bereiten - und das schon bis 2040, wie eine aktuelle Studie des Washingtoner Center for Strategic & International Studies (CSIS) besagt. An die Stelle des freien Handels in einer ressourcenreichen Welt werde womöglich schon bald ein brutaler Verteilungskampf um die schwindenden Schätze des Planeten beginnen. "Unterschiedliche Teile der Welt könnten sich abschotten, um zu sichern, was sie zum Überleben brauchen", sagte Leon Fuerth, einer der Autoren des Papiers mit dem Titel "The Age of Consequences".
Beispiele für das Gewaltpotential gibt es bereits, wie Susanne Dröge von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik bemerkt: "Die USA etwa hatten kein Problem damit, wegen Öl Krieg zu führen." Auch die Öl-Politik Chinas in Afrika sei durchaus fragwürdig. Unter den Industriestaaten sei zudem eine verschärfte Gangart zu beobachten, wenn es um die Erschließung neuer Ressourcen geht - abzulesen etwa am Beispiel der jüngsten Auseinandersetzungen um mutmaßliche Öl- und Gasvorkommen in der Arktis.
Fuerth befürchtet, dass die reichen Nationen in den kommenden 30 Jahren "andere Menschen vom Rettungsboot heruntertreten". Denn was die Umweltveränderungen den Ärmsten der Welt brächten, werde "moralisch extrem verstörend" sein. Der Hass, der zwischen unterschiedlichen Gruppen ohnehin besteht, werde verstärkt, wenn Flüchtlinge gleichzeitig in mildere Klimaregionen wanderten.
"Unausweichliches" Horrorszenario
Fuerth, Al Gore Sicherheitsberater in dessen Zeit als US-Vizepräsident, ist nicht der einzige ranghohe Ex-Regierungsmitarbeiter mit düsteren Zukunftsvisionen. John Podesta, US-Präsident Bill Clintons Stabschef und inzwischen Präsident des Think Tanks Center for American Progress, vertritt eine ähnliche Meinung. "Wir sagen ein Szenario voraus, in dem Menschen und Nationen von massiven Nahrungs- und Wasserengpässen bedroht sind." Podesta geht sogar so weit, dieses Ergebnis als "unausweichlich" zu bezeichnen - selbst wenn die USA, neben China der weltgrößte Verursacher von Treibhausgasen, sofort einem globalen Klimaabkommen beitreten würden.
Der künftige Wasser- und Nahrungsmangel, steigende Meeresspiegel, Dürren, Stürme und Überflutungen würden gewaltige Wanderungsbewegungen auslösen, glaubt Podesta. Als Schwerpunkte nannte er Südasien, Afrika und Europa.
Klimawandel als Chance
Dennoch gibt es auch vereinzelte Anlässe zum Optimismus. Im Nahen Osten etwa könnte die einsetzende Wasserknappheit die verfeindeten Gruppen zusammenrücken lassen, glauben sowohl Podesta als auch Dröge - denn Syrien, Jordanien, Israel und die Palästinenser müssen sich das Wasser aus dem Jordan teilen.
Überhaupt geht die Londoner Studie für Dröges Geschmack zu sehr davon aus, dass die politischen Systeme so bleiben, wie sie heute sind. "Man kann manche Probleme durchaus auch in den Griff kriegen", meint die Wirtschaftsforscherin. Ähnliche Hoffnungen hegt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung in seiner Klimawandel-Studie, die im Juni veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler warnen darin zwar vor dem Zerfall staatlicher Strukturen, begreifen den Klimawandel aber auch als Chance - wenn die Welt ihn "als Menschheitsbedrohung versteht und die Weichen für die Vermeidung eines gefährlichen anthropogenen Klimawandels stellt".
Dafür aber ist es nach Meinung anderer Experten mancherorts schon zu spät. Unter den zwölf Empfehlungen des Reports von International Alert befindet sich die Mahnung, der Anpassung an die Klimawandel-Folgen eine höhere Priorität einzuräumen als der Bekämpfung der Erwärmung - zumindest in labilen Staaten. Denn die westliche Welt sei keinesfalls sicher vor den Folgen der Tragödie, die den Schwellenländern und der Dritten Welt droht.
Zu den Gefahren zählen Sicherheitsexperten nicht nur steigenden Einwanderungsdruck in den westlichen Ländern und neue Brutstätten des Terrorismus, sondern auch die Atomwaffen Indiens und Pakistans. "Diese Staaten sind Teil eines globalen Systems", sagt Smith. "Wenn sie instabil werden, sind ihre Atomwaffen eine Gefahr für die ganze Welt."
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Nciht Äpfel und Birnen verwechseln: Haloalkane sind nicht mit FCKW gleichzusetzen. Und was vulkanische FCKW-Quelle angeht, schau mer mal: http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es990838q ---Zitat--- A conservative [...] mehr...
Dann sollte man es auch ganz lesen. Bisher sind natürliche Brom und Methanverbindungen bekannt die schon mal für 30% des Ozonabbaus gelten sollen. Aber nun untersucht man 3500 Stoffe (Möglichkeiten) , die man bis dato noch [...] mehr...
Sie wissen doch, wie das so mit den Schätzungen ist: Was Genaues weiß man nicht. Bestes Beispiel der Schweinegrippehype, wo auch sämtliche Schätzungen danebenlagen. mehr...
Ich habe das CClF3 übersehen? *Sie scherzen!* Sie haben es eben erst erwähnt; mal *wieder ohne Referenz*. Brauche ich auch nicht, da seine natürlichen Quellen schon in Molina&Rowland(1974) erwähnt wurden. Ich hatte gefragt [...] mehr...
Ich wundere mich, dass Sie sich überhaupt noch trauen, etwas zu schreiben - vor allem dann, wenn Sie keinen einzigen Punkt meiner Checkliste (http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=5248345&postcount=2038) durchgegangen [...] mehr...
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