Zahi Hawass ist ein Glücksfall für die ägyptische Altertümerverwaltung. Der kernige 70-Jährige posiert gern in Indiana-Jones-Manier mit Entdecker-Hut, seilt sich für die Kameras auch schon mal in ein frisch geöffnetes Pharaonengrab ab - und kämpft zwischendurch wortreich und öffentlichkeitswirksam für das Recht Ägyptens auf seine historischen Kunstschätze. Am Wochenende war Hawass zu Gast im Deutschen Archäologischen Institut Kairo (DAIK), das sein 100-jähriges Bestehen feierte. Hawass kam aber nicht zuletzt, um einmal mehr eine alte Forderung zu unterstreichen: Nofretete, die weltberühmte Büste einer schönen Ägypterin, soll zurück in die Heimat. Zumindest für einen Besuch.
"Meiner Meinung nach ist die Büste in sehr gutem Zustand und muss 2009 aus Deutschland hierher kommen", sagte der Chef der Altertümerverwaltung bei der Feier. Er bestätigte, dass Berlin vorgeschlagen habe, ein deutsches und ein ägyptisches Komitee einzusetzen, um darüber zu befinden, ob Nofretete die Reise antreten soll. "In dem Brief, den wir erhalten haben, heißt es, dass die Statue sehr zerbrechlich ist", sagte Hawass.
Kairo bemüht sich seit längerem darum, die Büste wenigstens als Leihgabe für die Eröffnung eines neuen Museums zu bekommen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte es Mitte April jedoch abgelehnt, die mehr als 3000 Jahre alte Skulptur an Ägypten auszuleihen, weil dagegen "ernstzunehmende konservatorische und restauratorische Bedenken" bestünden. Ägypten drohte daraufhin mit Sanktionen. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland solle überdacht werden, erklärte Hawass.
Die 48 Zentimeter hohe Büste ist seit mehr als 90 Jahren in deutschem Besitz und wird im Alten Museum in Berlin ausgestellt. Ägypten wirft Deutschland vor, das antike Stück unrechtmäßig erworben zu haben.
cis/AFP
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