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15.12.2007
 

Umweltminister Gabriel auf Bali

Der Schulterklopfer auf der großen Bühne

Aus Nusa Dua berichtet Christian Schwägerl

Ringen bis zur letzten Minute: Im Abschlussbericht der Umweltkonferenz werden konkrete Ziele für die CO2-Reduktion genannt - in einer Fußnote. Darum wurde tagelang gerungen - Sigmar Gabriel immer mit dabei. Für Deutschlands Umweltminister war Bali die Bühne für einen Auftritt als Weltpoltiker.

Bis in die Nacht um 2.30 Uhr Ortzeit Bali schuftet Sigmar Gabriel. Dann, als die Klimakonferenz sich plötzlich auf den nächsten Morgen vertagt und die Uno-Uhren damit offiziell für ein paar Stunden angehalten werden, wirft er sich ins Getümmel der Journalisten. Er lächelt zufrieden. Sagt, ein Erfolg des Weltklimagipfels sei jetzt mit Händen zu greifen.

Gabriel auf Bali (in der Nacht auf Samstag): "Ergebnis gut bis sehr gut"
DPA

Gabriel auf Bali (in der Nacht auf Samstag): "Ergebnis gut bis sehr gut"

Doch bis zum Erfolg dauert es noch dramatische Stunden - auch für Sigmar Gabriel: Indien und China erheben Einwände gegen die eigentlich schon abgestimmte Gipfel-Erklärung, die EU gibt nach, dann sträuben sich die USA - bis schliesslich doch noch ein Einigung zustande kommt.

Im Vorwort des Abschlussdokuments wird auf den Bericht des Weltklimarats IPCC Bezug genommen, der konkrete Reduktionsvorgaben gemacht hat. In einer Fußnote gibt es einen Verweis auf einen früheren Beschluss, der in Wien gefasst wurde. "Und zwar mit Seitenzahl", sagt Gabriel. Auf jener besagten Seite steht, dass die globalen Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zurückgehen müssen, um eine gefährliche Erderwärmung noch abzuwenden.

Eine Fußnote nur – aber Gabriel lobt, damit sei "der Wissenschaftsbezug doch hergestellt". Gemessen am Nötigen sei dieses Ergebnis befriedigend. Gemessen am Erwartbaren sei es aber "gut bis sehr gut".

Gabriels Heimflug-Ticket ist längst gebucht, am Samstagabend soll es vom Gipfel auf Bali zurück nach Deutschland gehen. "Ohne konkrete Reduktionsziele für Kohlendioxid kann ich mich eigentlich nicht zurück nach Deutschland trauen", hatte er noch am vergangenen Mittwoch gesagt - da war er noch keine Stunde auf der Tropeninsel angekommen, der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Am Ende des Verhandlungsmarathons ist er jetzt damit zufrieden, dass auf Reduktionsziele in einer Fußnote verwiesen wird.

Weltpolitik statt Späßen und griffiger Formeln

Bali war Gabriels große Bühne - auf heimischem Boden tritt der Niedersachse gerne als umgänglicher Schulterklopfer auf und freut sich über jeden Lacher, den er mit seinem feuchten Humor auslöst. Sein Übergang zur ernsten Politik ist in der Regel abrupt. Wie aus der Hüfte kann er nicht weniger als die "dritte industrielle Revolution" ausrufen, mit unübertreffbarer Plausibilität. "Wir müssen aufhören, statt des Wohnzimmers den Garten zu heizen", sagt er dann, oder "Wie werden das unsere Kinder finden, wenn Millionen afrikanische Klimaflüchtlinge bei ihnen anklopfen?"

Auf Bali nützen Gabriel weder Späße noch griffige Formeln. Zehntausend Menschen bevölkern die Luxusressorts von Nusa Dua, um eine Antwort der Menschheit auf die Erderwärmung zu formulieren. Um hier das progressive umweltpolitische Credo der Berliner Koalition zu verkörpern, muss Gabriel Weltpolitik betreiben, mit Politikern ringen, die viele Hundert Millionen Menschen vertreten, aus den Speckgürteln der Erde wie aus der Sahelzone. Obendrein muss Gabriel Nahkampf im Dschungel der internationalen Klimaschutzregeln ausfechten. Schon einzelne Wörter in obskuren Unterparagrafen können Top oder Flop bedeuten.

Umweltpolitiker ist Gabriel erst seit zwei Jahren, die ganze Vorgeschichte, vom Erdgipfel 1992 in Rio über den Vertragsabschluss von Kyoto 1997, hat er aus Akten und Briefings aufgesogen. Die Uno-Verhandlungen sind für ihn ein Lernprozess, sagt er ganz bescheiden. Nur eines wisse er ganz gewiss: "Die diplomatische Phrase 'Es ist Zeit zum Handeln' kann ich nicht mehr hören. Ich will wissen, was das heißt."

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27.12.2007 von Satiro:

Wie alle religiöse Menschen glauben diese Herren zu wissen! mehr...

26.12.2007 von wishful_thinking:

Hallo Satiro, noch viel schlimmer, wir muessten auch das Ausatmen einstellen bzw. zum Schutze des Klimas besteuern. Ich frage mich allerdings, welches Klima man schuetzen will. Um diese Frage beantworten zu koennen, [...] mehr...

26.12.2007 von Satiro:

Wenn man etwas weiterdenkt: Ja die Verhüttung von Eisenerzen müßte man doch eigentlich auch verbieten, wenn man das Klima retten will.. mehr...

26.12.2007 von Satiro:

Dass die Eisengewinnung / Stahlerzeugung auf Holzkohle basierte, ist auch noch keine 200 Jahre her. mehr...

25.12.2007 von Berd:

Beides hat nichts mit irgendeinem Klimawandel zu tun. In beiden Fällen hat man ohne Aufforstung einfach riesige Mengen an Bäumen gefällt (Ich bin mir nicht ganz sicher, aber in dem einen Fall war es glaube ich v. a. wegen [...] mehr...

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