Mittwoch, 10. Februar 2010

Wissenschaft



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30.12.2007
 

Wüstenkunst

Hollywood-Fluch bedroht Felsmalereien

Der Film "Der englische Patient" machte die "Höhle der Schwimmer" berühmt - nun sind die Felsmalereien in ihr bedroht. Touristen strömen in Ägyptens Südwesten, um die prähistorische Kunst zu sehen, doch nicht alle wissen ihren Wert zu schätzen.

Sie haben Jahrtausende überstanden. Doch nun schweben die Felsenmalereien in einem abgelegenen Gebiet in der Sahara in ernsthafter Gefahr. Immer mehr Touristen finden den Weg in die Berge von Gilf Kabir und Jebel Ouenat im Südwesten Ägyptens, wo sie die wunderschönen Malereien von prähistorischen Menschen und Tieren anschauen wollen. Doch nicht alle Besucher wissen den Wert dieser Kunstwerke zu schätzen.

Prähistorische Felsmalereien in der Sahara: Dramatische Schäden
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AFP

Prähistorische Felsmalereien in der Sahara: Dramatische Schäden

Die meisten Malereien stammen aus einer Zeit, als die Wüste noch eine zurückweichende Prärie war. 5000 bis 7000 Jahre ist das her. Heute sind die Meisterwerke, die in ihrer Einfachheit beeindrucken, den Touristen schutzlos ausgeliefert. Die Felskunst liegt im Grenzgebiet von Ägypten, Sudan und Libyen. Um sie effektiv zu schützen, müssten die oft zerstrittenen Länder kooperieren.

Das Ausmaß der Schäden sei dramatisch, klagt der deutsche Archäologe Rudolph Kuper, der die Kunst zu schützen versucht. Manche Leute tropften Wasser oder Öl auf die Malereien, um sie zum Leuchten zu bringen. Der dadurch angerichtete Schaden sei irreparabel. Noch schlimmer ist es in Libyen, wo die sensiblen Malereien von Ain Dua allem Anschein nach von gelangweilten Soldaten beschossen wurden. Ganz in der Nähe türmt sich in einer bemalten Höhle der Müll.

Bis zu 10.000 Dollar (7000 Euro) zahlen Touristen für eine zweiwöchige Wüsten-Expedition nach Gilf Kabir, das 500 Kilometer vom nächsten Wohnort entfernt liegt. Hier befindet sich auch die in dem Film "Der englische Patient" berühmt gewordene "Höhle der Schwimmer" mit ihren Höhlenmalereien. Kam in den 80er Jahren nur eine Handvoll Besucher, so sind die Zahlen in den 90er Jahren stetig gestiegen. Viele der Millionen Touristen, die Ägypten besuchen, wollen heute mehr als Sandstrand und Hotel.

Barbusige Graffiti-Damen über uralten Hieroglyphen

2006 kamen laut Kuper rund 800 Touristen zu den Malereien. Dieses Jahr seien es schon mehr als tausend gewesen. Und die Menschen hinterlassen Spuren. Nicht einmal die weltbekannten Hieroglyphen am Meris Rock nordöstlich von Gilf Kabir, die von einer großen Handelsroute quer durch die Wüste im Zeitalter der Pharaonen berichten, sind davon gekommen: Letztes Jahr verschandelte jemand die uralte Schrift mit einem eingemeißelten Bild einer barbusigen Frau.

"Man kann keinen Stacheldraht aufbauen", stellt Kuper nüchtern fest. Stattdessen müssten Fremdenführer und Touristen geschult werden. Auch Saad Ali, ein junger Tour-Anbieter und Leiter einer Umweltorganisation, setzt auf Einsicht. Regelmäßig sammelte er mit seinen Mitstreitern in der Wüste Abfall, und von Jahr zu Jahr wurde es mehr. "Wir haben gemerkt, dass die Fremdenführer aufgeklärt werden müssen", berichtet er.

Seine Rechnung scheint aufzugehen: "Letztes Jahr haben wir 4,5 Tonnen Müll gesammelt. Das Jahr davor waren es noch elf Tonnen", sagt er. Als nächstes will Saad Ali nun die von Kairo aus arbeitenden Fremdenführer ins Gebet zu nehmen. Diese hätten oft keine Ahnung, welchen Schaden sie anrichteten.

Polizeikontrollen in dem militärisch sensiblen Grenzgebiet sind derzeit schwierig. Es bleibt jedoch die Hoffnung, dass das Gebiet von der Unesco als grenzübergreifendes Weltkulturerbe anerkannt wird. Das jedoch würde voraussetzen, dass die drei Länder individuelle Nationalparks ausweisen, was bislang nur Ägypten gemacht hat. Allerdings laufen derzeit gemeinsame Bemühungen zum Schutz der Kunstwerke.

Die ägyptische Umweltbehörde plant unterdessen mit Unterstützung der Antikenverwaltung und dem Archäologen Kuper ein Museum mit Informationszentrum in der Oase von Dakhla, von wo aus die meisten Ausflüge nach Gilf Kabir starten. "Wir hoffen, dass wir unsere Träume in die Tat umsetzen können und in dem Museum das Verhältnis zwischen Mensch und Wüste erklären können", sagt Mustafa Fouda von der Umweltbehörde. Um den Schutz der Wüste und ihrer Kunst solle es gehen.

Von Charles Onians, AFP

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