Mexiko-Stadt - Die Archäologin Patricia Ledesma stapelte nicht eben tief, als sie über den neuen Fund sprach. "Wir werden die Geschichte der Azteken neu schreiben müssen", sagte die Wissenschaftlerin an der Ausgrabungsstätte im Stadtteil Tlatelolco. Das Gebiet war für die Azteken einst ein religiöses und politisches Zentrum. Die Treppe der Pyramide sei zwischen den Jahren 1100 und 1200 erbaut worden, was darauf hindeute, dass die Zivilisation der Azteken im zentralen Hochland bis zu 200 Jahre früher als bisher angenommen Fuß gefasst habe.
Neben der elf Meter hohen Treppe gruben die Wissenschaftler fünf Totenschädel und eine Skulptur aus, die den Regengott Tlaloc darstellen könnte - oder aber Tezcatlipoca, den Gott von Himmel und Erde. Auch mehrere Räume, die aus dem Jahr 1431 stammen könnten, wurden in der Nähe der Pyramide entdeckt. Die Archäologen wollen nach dem überraschenden Fund ihre Ausgrabungen vor Ort beschleunigen, um die Größe und das Alter der Pyramide noch genauer bestimmen zu können.
Nach dem Fund einer anderen Pyramide vor 15 Jahren waren Experten zunächst davon ausgegangen, dass die Azteken Tlatelolco im Jahr 1325 gegründet haben. Im gleichen Jahr hatten die für ihre Kriegslust und Gottesfurcht bekannten Azteken ihre Hauptstadt Tenochtitlan gegründet. Die Hochkultur der Azteken, die über ein Reich vom Pazifik bis zum Golf von Mexiko herrschten, fand mit der Invasion der Spanier um 1520 ein abruptes Ende.
mbe/rtr
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