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15.01.2008
 

Resistenzen

Forscher warnen vor der Pest

Eine Forschergruppe hat einen Appell veröffentlicht, der vor neuerlichen großen Ausbrüchen der Pest warnt. Die Krankheit sei bei weitem nicht ausgerottet, die Zahl der beobachteten Fälle nehme in einigen Regionen wieder zu. Sorgen machen den Forschern nicht zuletzt Antibiotika-Resistenzen.

Die Pest ist längst nicht ausgerottet. 1000 bis 3000 Fälle pro Jahr registriert die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sogar in den USA treten jährlich 10 bis 20 Pesterkrankungen auf. In einem Artikel im Fachmagazin "PloS Medicine" warnt eine Forschergruppe jetzt: "Obwohl die Anzahl der Fälle bei Menschen relativ niedrig ist, wäre es ein Fehler, die Bedrohung für die Menschheit zu unterschätzen." Die Mediziner verweisen auf "inhärente Übertragbarkeit, schnelle Verbreitung, schnellen klinischen Verlauf und hohe Sterblichkeitsraten, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt".

Pro Jahr starben in den vergangenen Jahren 100 bis 200 Menschen an der Pest. Michael Begon von der University of Liverpool und seine Kollegen warnen jedoch, die Krankheit breite sich in neue Länder, besonders in Afrika, aus. Verursacht wird die Pest von einem Bakterium namens Yersinia pestis. Die Beulenpest, im Mittelalter in Europa als "schwarzer Tod" bekannt, wird durch infizierte Flöhe übertragen. Noch gefährlicher ist die Lungenpest, denn sie verbreitet sich durch Husten oder Niesen von einem Menschen zum anderen. Beide Arten können oft innerhalb von Tagen zum Tod führen, wenn sie unbehandelt bleiben.

Ursprüngliche Träger der Pesterreger sind meist Nagetiere oder Flöhe. Weil sich die Krankheit in Tierpopulationen permanent fortpflanzt, sei sie praktisch nicht auszurotten und bleibe eine permanente Bedrohung für Menschen, sagt Begon. "Man kann realistischerweise nicht alle Nagetiere auf der Welt ausrotten", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Anzahl von Pesterkrankungen scheint zuzunehmen, zum ersten Mal gibt es jetzt große Ausbrüche in Afrika." Auch in Asien oder den USA könnte die Krankheit aber wieder verstärkt auftreten, warnen die Forscher - begünstigt werde das durch den Klimawandel: "Wärmere Frühjahr- und Sommertemperaturen erhöhen die Prävalenz der Pest in ihrem Haupt-Wirtstier, der Großen Rennmaus."

Die meisten der neuen Fälle traten bislang in Madagaskar, Tanzania, Mozambik, Malawi, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo auf. Im letzteren Land gab es erst 2006 einen großen Ausbruch mit Hunderten von Verdachtsfällen. 42 Menschen starben damals an Lungenpest. Dank Antibiotika sterben normalerweise nur zehn Prozent der Patienten. Aber das kann sich in Zukunft wieder ändern.

Bereits 1995 war auf Madagaskar erstmalig ein Erreger-Stamm aufgetaucht, der gegen acht verschiedene Antibiotika resistent war. Im vergangenen Jahr stellten Forscher fest, dass diese Resistenz gewissermaßen portabel ist: In Salmonellen fanden sie ein Stück DNA, das sehr an jenes erinnerte, das auch Pest-Erreger resistent gegen Antibiotika macht. Dass Erreger derart einfach genetisches Material austauschen können, war bis dahin unbekannt gewesen. Nun wächst die Angst, dass durch einen ähnlichen Übertragungsprozess weitere Antibiotika-resistente Pesterreger entstehen könnten.

Die Forscher um Begon warnen auch davor, dass die Pest wieder instrumentalisiert werden könne: "Wir sollten nicht übersehen, dass die Pest im Verlauf der Geschichte immer wieder als Waffe eingesetzt wurde, vom Katapultieren infizierter Leichen über Stadtmauern über das Abwerfen infizierter Flöhe von Flugzeugen aus bis hin zur hochentwickelten Aerosol-Herstellung heute."

cis/Reuters

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