Von Jens Lubbadeh
Einem Diabetiker beispielsweise würde man einfach eine Hautzelle entnehmen und aus ihr über diese Zwischenschritte embryonale Stammzellen herstellen. Die würde man zu Bauchspeicheldrüsenzellen ausdifferenzieren und dem Patienten wieder einpflanzen. Er wäre geheilt. Eine Abstoßungsreaktion gäbe es nicht, denn für sein Immunsystem wären diese wie körpereigene Zellen. Sollte sein Diabetes genetisch bedingt sein, ließe sich der Gendefekt in der Stammzelle mit gentechnischen Methoden vor der Vervielfältigung und Ausdifferenzierung noch beheben.
Allein der erste Schritt auf diesem Weg - das Klonen des Embryos - ist kompliziert, die Ausbeute bislang sehr gering und der Erfolg zudem von Spezies zu Spezies unterschiedlich. "Bei der Maus ist es einfach, bei der Ratte nicht", sagt Hescheler. Warum es diese Unterschiede gebe, sei noch nicht erforscht. Gelang das Klonen schon bei mehreren Tierarten - Schaf, Maus, Katze, Hund und Pferd - galten die Zellen von Primaten, zu denen auch der Mensch gehört, stets als nahezu unüberwindliche Hürde. Vor kurzem konnte der Forscher Shoukrat Mitalipov erstmals zeigen, dass therapeutisches Klonen auch bei Primaten möglich ist: Aus den Hautzellen eines Rhesusaffen klonte er Embryonen und stellte daraus embryonale Stammzellen her. Somit war das therapeutische Klonen geglückt - am Affen.
Dabei schien die Klonierung des Menschen bereits im Jahr 2004 gelungen, als der südkoreanische Forscher Woo Suk Hwang im Fachmagazin "Science" behauptete, einen menschlichen Embryo geklont und maßgeschneiderte Stammzellen hergestellt zu haben. Wie sich dann allerdings herausstellte: Hwang hatte seine Ergebnisse gefälscht. Das Rennen um den ersten geklonten menschlichen Embryo war also wieder offen.
2005 dann gelang Miodrag Stojkovic und seinen Kollegen fast, was Hwang angeblich geschafft hatte. Allerdings gab es zwei entscheidende Unterschiede: Stojkovic hatte den Embryo nicht aus dem Erbgut einer Körperzelle geklont, sondern aus dem einer embryonalen Stammzelle. Da diese Pluripotenz besitzt, war der Klonprozess leichter. Und es war ihm auch nicht gelungen, aus dem geklonten Embryo Stammzellen abzuleiten. Seinen wissenschaftlichen Erfolg erreichte Stojkovic übrigens nicht in Deutschland, sondern in England, wo er zu dieser Zeit gearbeitet hatte. Für seine Klonforschungen und -Erfolge wäre er in Deutschland nicht bejubelt, sondern bestraft worden: Das Klonen menschlicher Embryonen und die Herstellung menschlicher embryonaler Stammzellen ist hierzulande verboten.
Die Verfügbarkeit von Eizellen ist ein Problem
Neben den generellen Bedenken, die dem Klonen von menschlichen Embryonen entgegengebracht werden, birgt der Umgang mit Eizellen weitere ethische Probleme. Kritiker befürchten, dass sich einmal ein regelrechter Eizellenmarkt oder gar -schwarzmarkt entwickeln könnte. Junge Frauen - vornehmlich aus Entwicklungsländern - könnten für Geld ihre Eizellen verkaufen oder von skrupellosen Geschäftemachern dazu gezwungen werden. Eine Angst, die begründet ist: Woo Suk Hwang war unter anderem vorgeworfen worden, seine Mitarbeiterinnen zu Eizellspenden gezwungen zu haben.
Zudem ist die Gewinnung von Eizellen für die Frau ein belastender Vorgang: Sie muss sich einer Hormonbehandlung unterziehen, durch die gleich mehrere Eizellen zum Eisprung angeregt werden. Diese werden anschließend mit einer dünnen Nadel dem Eierstock entnommen. Die hormonelle Hyperstimulation und Eizell-Entnahme wird standardmäßig bei der künstlichen Befruchtung eingesetzt, um genügend Eizellen für die mehrfach nötigen Befruchtungsversuche zu gewinnen. In der Regel werden auf diesem Weg zehn bis zwölf Eizellen auf einmal entnommen.
Bis zu einer regenerativen Medizin sind noch einige Hürden zu nehmen - sowohl biologische als auch ethische. Diese eine - die Herstellung eines Embryos aus einer Körperzelle - scheint nun genommen. Die Erzeugung embryonaler Stammzellen aus einem geklonten Embryo wäre der nächste wichtige Etappensieg. Auch die Effizienz muss noch gesteigert werden. French und Kollegen brauchten 29 Eizellen, um einen geklonten Embryo zu erzeugen. Für eine routinemäßige medizinische Anwendung ist diese Ausbeute noch zu schlecht.
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