Es ist ein Fortschritt in der Transplantationsmedizin. Ob es eine Revolution ist, wird sich noch zeigen müssen: Drei unabhängigen Forscherteams gelang es nun, Patienten Organe zu verpflanzen, und die Empfänger danach unabhängig von Immunsuppressiva zu machen. Diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem und verhindern die Abstoßungsreaktion des Körpers gegen das fremde Organ.
Nierentransplantation (Archivfoto): Neue Methode könnte Immunsuppressiva überflüssig machen
Allerdings könnte der Erfolg auch damit zusammenhängen, dass der Gewebetyp von Spender und Empfänger bei den Patienten ähnlich war: Alle hatten Nieren von ihren Eltern oder Geschwistern erhalten. Sachs und seine Kollegen überwachten die Nierenfunktion noch über Jahre. Das Ergebnis: Auch nach fünf Jahren waren die Nieren noch intakt. Umso überraschender war dieser Befund, weil die Patienten nach einer gewissen Zeit aufhörten, die Immunzellen des Spenders zu produzieren.
1998 hatte Sachs bereits einer Patientin eine Niere und Knochenmark transplantiert. Auch sie besaß eine gute genetische Übereinstimmung mit dem Spender. Seit zehn Jahren lebt sie mit ihrer Niere - ohne Immunsuppressiva.
Sachs ist optimistisch: "Es gibt berechtigte Hoffnung, dass diese Patienten die Immunsuppressiva für den Rest ihres Lebens nicht mehr benötigen."
Weitere Studien nötig
Zwei weiteren Teams gelang es, nach dem selben Prinzip einem neunjährigen Mädchen eine Leber und einem erwachsenen Mann eine Niere zu verpflanzen. Im Falle des Mädchen bildeten Stammzellen in der Leber selbst die gewünschten Immunzellen aus. Bei dem Mann, der die Niere von seinem Bruder erhalten hatte, transplantierten die Forscher nicht Knochenmark, sondern gaben ihm eine Infusion mit Blut seines Bruders. Diese hatten sie zuvor mit Blut-Stammzellen angereichert.
In den 50 Jahren nach der ersten gelungenen Transplantation haben Wissenschaftler immer wieder nach Wegen gesucht, das Immunsystem auszutricksen, damit es das fremde Organ nicht abstößt. Immunsuppressiva werden seit den achtziger Jahren eingesetzt. Aber sie erhöhen das Risiko anderer Erkrankungen wie Krebs und Nierenversagen.
Bevor die neue Methode breite Anwendung findet, muss sie allerdings erst noch an größeren Patientenzahlen erprobt werden. Zudem ist unklar, ob sie auch funktioniert, wenn Spender und Empfänger größere Gewebetyp-Unterschiede aufweisen. Sachs plant eine Nachfolgestudie an 15 bis 20 Patienten, die am Massachusetts General Hospital und weiteren Krankenhäusern durchgeführt werden soll.
lub
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