Die wohltuende Wirkung des Kratzens ist eine alltägliche Erfahrung - und selbst wenn das Blut aus aufgekratzten Hautpartien fließt, überwiegt bei manchen Menschen noch die Erleichterung. Warum das so ist, haben Wissenschaftler von der Wake Forest University in Winston-Salem herausgefunden, als sie die Hirnaktivität von Testpersonen während des Kratzens überwachten. 13 Freiwillige untersuchten sie in einem Magnetresonanztomografen. Während das Gerät die Hirnaktivität aufzeichnete, kratzten der Dermatologe Gil Yosipovitch oder einer seiner Kollegen die Freiwilligen in regelmäßigen Intervallen am Unterschenkel.
Bei allen zeigte sich eine deutliche Absenkung der Aktivität in zwei Arealen der Großhirnrinde: im vorderen und im hinteren singulären Cortex. Das erste Hirnareal ist mit dem Gefühl der Aversion gegen unangenehme Sinneswahrnehmungen verbunden, das zweite mit Erinnerungen. An einem Tiefpunkt war die Aktivität in diesen beiden Cortex-Arealen zu dem Zeitpunkt, wo sich das Kratzen für die Testpersonen am intensivsten anfühlte.
Eine Erhöhung der Aktivität konnten die Forscher hingegen in zwei weiteren Regionen des Cortex beobachten. Diese Areale steuern Schmerzempfindung und Zwangsverhalten - was erklären würde, warum viele Menschen mit dem Kratzen gar nicht mehr aufhören können und der Schmerz dabei eher zweitrangig wahrgenommen wird.
Kratzen dämpft also durchaus den Juckreiz - und zwar direkt im Gehirn, lautet der Schluss der Forscher. Mit Hilfe dieser Ergebnisse wollen sie Forscher jetzt Medikamente entwickeln, die gezielt die Aktivität der betroffenen Gehirnregionen beeinflussen. Damit könnte vor allem Menschen geholfen werden, die an Ekzemen leiden oder Dialyse erhalten, was ebenfalls einen schweren Juckreiz hervorrufen kann.
cis/ddp
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