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27.02.2008
 

Rüstungs-Kreislauf

USA erneuern ihr Kernwaffenarsenal

Von David Biello

Zum ersten Mal seit 20 Jahren will die US-Regierung einen neuen Nuklearsprengkopf bauen - offiziell aus Sorge um die Funktionstüchtigkeit der alten Waffen. Kritiker sehen darin eine aberwitzig teure Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und ein verhängnisvolles Signal an die Welt.

Noch immer sind Hunderte amerikanischer Nuklearwaffen auf Ziele in Russland und anderswo gerichtet. Obwohl mit dem Untergang der Sowjetunion 1991 auch der Kalte Krieg mit seinem "Gleichgewicht des Schreckens" ein Ende fand, unterhalten die Vereinigten Staaten weiterhin ein Arsenal von rund zehntausend dieser Massenvernichtungswaffen. Russland, China, Frankreich, Indien, Israel, Pakistan und Großbritannien sind heute Verbündete der USA oder schlimmstenfalls unkriegerische Konkurrenten; alle außer Russland besitzen nur beschränkte Kernwaffenarsenale.

Atombombe: Die USA wollen neue Kernwaffen produzieren
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US Department of Energy / National Nuclear Security Administration - Nevada Site Office

Atombombe: Die USA wollen neue Kernwaffen produzieren

Nordkorea und Iran haben zwar ein gespanntes Verhältnis zu den Vereinigten Staaten, verfügen aber noch nicht über die Fähigkeit, Amerika massiv zu bedrohen. Die größte nukleare Gefahr scheint derzeit von einer "schmutzigen Bombe" auszugehen - einer mit radioaktivem Material bepackten konventionellen Bombe - oder von einem kleinen nuklearen Sprengkörper. Ein massives Nuklearwaffenarsenal dürfte aber Terroristen oder nichtstaatliche Gruppen kaum abschrecken, solche Waffen einzusetzen.

Im Moskauer Vertrag von 2002 über die Reduzierung strategischer Angriffswaffen haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, ihr nukleares Offensivpotenzial mit der Zeit auf weniger als 2200 Sprengköpfe und Bomben zu reduzieren. Doch gleichzeitig wollen das Energie- und das Verteidigungsministerium der USA diese Waffen teilweise auswechseln, weil sie befürchten, die alternden Sprengköpfe würden nach jahrelanger Lagerung nicht mehr optimal funktionieren. Das betrifft vor allem die W76-Gefechtsköpfe, die ein Drittel des Bestands ausmachen; die ältesten werden 2008 das Ende ihrer dreißigjährigen Lebensdauer erreichen. Eine einzelne W76-Nuklearwaffe hat eine Sprengkraft von 100 Kilotonnen oder 100.000 Tonnen TNT. Sie soll so genannte weiche Ziele zerstören: Häfen, Garnisonen, Fabriken.

2004 starteten Energie- und Verteidigungsministerium das Programm Reliable Replacement Warhead (RRW, zuverlässiger Ersatzsprengkopf). Im März 2007 erhielt das Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien den Zuschlag für die Konstruktion des ersten amerikanischen Nuklearsprengkopfs seit zwanzig Jahren. Diese Waffe namens RRW1 soll die gleiche Sprengkraft wie W76 besitzen; sie hätte nach dem Ende des Kalten Kriegs keine neue strategische Funktion, und viele Beobachter bezweifeln ihren Sinn. Zudem werden derzeit zweitausend W76-Sprengköpfe technisch überholt, um ihre Lebensdauer zu verlängern, und die Sorge um die Zuverlässigkeit alternder Plutoniumkomponenten hat sich als unbegründet erwiesen.

Doch die NNSA (National Nuclear Security Administration), die für Nuklearwaffen zuständige Behörde im Energieministerium, hat weitere Gründe parat: Man erspare sich das Risiko neuer Kernwaffentests und schaffe eine Waffe, die weniger umweltschädliches Material erfordert. Obwohl die Haushaltsmittel für RRW noch nicht bewilligt sind und Teile des Programms vom Kongress gestrichen oder in Frage gestellt wurden, liegen bereits eine Kostenschätzung und ein Produktionsplan vor. Dennoch bleiben wichtige Fragen offen: Welchem Zweck dient das nukleare Waffenarsenal der USA, woraus soll es bestehen, und wie viele Waffen sind nötig?

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