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Rüstungs-Kreislauf USA erneuern ihr Kernwaffenarsenal

5. Teil: Eine verhängnisvolle Botschaft für den Rest der Welt


Denn der geplante Austausch von W76 gegen RRW1 ist nur der Anfang. "Wenn wir die Bestände wirklich reduzieren wollen, müssen wir uns das gesamte Arsenal vornehmen", erklärte Steve Henry, ein hochrangiger Beamter für nukleare Angelegenheiten im Verteidigungsministerium, bei einer Präsentation der siegreichen Konstruktion. Das erfordert andere Prioritäten in den Waffenlabors und andere Fertigungskapazitäten. "Um technische Überraschungen und Veränderungen der geopolitischen Lage auffangen zu können, benötigt man eine flexible Infrastruktur. Erst diese Flexibilität erlaubt Kompromisse bei der Anzahl der Waffen", sagte Henry weiter.

Chefplaner Harvey zufolge hat die NNSA bereits eine Machbarkeitsstudie für einen zweiten, speziell für Flugkörper konstruierten Austauschsprengkopf in Auftrag gegeben. Ein wahrscheinlicher Kandidat für den Ersatz durch diesen RRW2 wäre der W78-Sprengkopf, der auf landgestützten ballistischen Interkontinentalraketen sitzt, meint Kristensen. Dieser Typ ist fast ebenso alt wie W76 und ebenfalls nicht mit unempfindlichen Hochleistungssprengstoffen und Sicherheitssystemen ausgerüstet. Weder das Verteidigungs noch das Energieministerium hat angedeutet, wie viele RRW-Sprengköpfe letzten Endes nötig sein könnten.

Am stärksten dürfte sich das Waffenaustauschprogramm auf die globale Nuklearrüstung auswirken. Großbritannien, Frankreich, Russland und China verfolgen ähnliche Modernisierungspläne, aber die Konstruktion von RRW1 könnte der übrigen Welt eine verhängnisvolle Botschaft senden. "Wenn die stärkste Nation der Welt zu dem Schluss kommt, sie könne ihre vitalen Interessen nur schützen, indem sie neue Nuklearwaffen für neue militärische Aufgaben entwickelt, wäre das ein deutliches Signal für andere Nationen, dass Nuklearwaffen auch für ihre Sicherheit wertvoll oder gar notwendig sind", konstatierte Sidney Drell, Physiker am Stanford Linear Accelerator Center und Experte für Rüstungskontrollfragen, im März 2007 auf einer Tagung der American Physical Society in Denver.

Infolgedessen plädieren die früheren US-Außenminister Henry Kissinger und George Shultz, Exverteidigungsminister William Perry sowie Exsenator Sam Nunn aus Georgia, vormals Vorsitzender des Streitkräfte-Senatsausschusses, für die Abschaffung solcher Waffen. "Wir unterstützen das Ziel einer atomwaffenfreien Welt und setzen uns nachdrücklich für die Maßnahmen ein, die notwendig sind, um dieses Ziel zu erreichen", erklärten sie Anfang 2007 in einem Leitartikel des "Wall Street Journal".

Letztlich liegt dem RRW-Programm vielleicht die Sorge zu Grunde, die USA könnten sonst die Fähigkeit einbüßen, Nuklearwaffen falls nötig auch fernerhin zu bauen und einsatzbereit zu halten. "Wir wollen die Wissenschaftler und Ingenieure trainieren", sagt Harvey. "Die Leute, die das im Kalten Krieg aufgebaut haben, gehen in den Ruhestand. Jetzt muss die nächste Generation weitermachen, damit die ältere Generation sie noch anleiten kann."

Der Physiker Bob Civiak, ehemals Haushaltsexperte im US-Office of Management and Budget, der für die Kontrolle des Bundeshaushalts verantwortlichen Behörde im Weißen Haus, fügt hinzu: "Unsere derzeitigen Sprengköpfe können größtenteils von den Produktionsstätten selbst gewartet werden. Damit bleibt den Labors nichts zu tun, und deshalb haben wir ein RRW-Programm."

Der wahre Grund für das RRW-Programm ist also eher der "zuverlässige Ersatz" von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern - und deren fortwährende Fähigkeit, neue Nuklearwaffen zu bauen. Ob die Waffen selbst wirklich ersetzt werden müssen, ist eine ganz andere Frage.


David Biello ist Online-Redakteurbei SciAm.com, der Webseite von bei SciAm.com, der Webseite von Scientific American.

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