Für die kommende Revolution spricht, dass schon im Jahr 2005 rund 40 Prozent aller weltweit eingesetzten Fabrik-Roboter in Japan im Einsatz waren - 370.000 an der Zahl. Auf 1000 japanische Fabrikarbeiter kommen so 32 Roboter, wie eine Statistik der Macquarie Bank besagt.
Seitdem dürfte die Zahl der Fertigungs-Automaten kaum gesunken sein, und das schon aus wirtschaftlichen Gründen. "Die Kosten für Maschinen sinken, während Arbeitskosten steigen", sagt Eimei Onaga, Geschäftsführer von Innovation Matrix Inc., die japanische Robotertechnologie in den USA vertreibt. Auch meldeten Roboter keine Überstunden an oder wollten Pensionen haben. "Schon bald könnten Roboter sogar Niedriglohn-Arbeiter in kleinen Firmen ersetzen", meint Onaga. "Die Produktivität würde dadurch gewaltig ansteigen."
Der japanischen Regierung kommt das nur recht. Im vergangenen Jahr stellte das Handelsministerium einen Plan auf, nach dem bis zum Jahr 2025 landesweit eine Million Industrieroboter installiert werden sollen. Gegenüber 2005 wäre das nahezu eine Verdreifachung. Nach Angaben des Ministeriums kann ein Roboter zehn Arbeiter ersetzen. Bei einer Million Robotern wären das zehn Millionen Arbeiter - oder 15 Prozent der derzeitigen Arbeitskraft Japans.
Kleiner Helfer im Krankenhaus
Doch die Maschinen sollen künftig nicht nur monotone Aufgaben in der industriellen Fertigung übernehmen, sondern auch ins Alltagsleben abseits der Fabriken vordringen. Im Aizu-Chuo-Krankenhaus, 300 Kilometer nördlich von Tokio gelegen, rollt ein kleiner, blauweißer Geselle über die Flure und leitet Patienten durch die Klinik. Er grüßt freundlich, reagiert dank seiner Sensoren auf Hindernisse und druckt Lagepläne des Krankenhauses aus.
Das Krankenhaus hat fast 400 Millionen Euro für drei Exemplare der Maschine ausgegeben. Die Reaktion der Patienten sei "überwältigend positiv" ausgefallen, sagte Kliniksprecher Naoya Narita. "Das ist eine gute Arbeitsteilung. Roboter werden niemals zu Ärzten werden, aber sie können Führer und Empfangsmitarbeiter sein."
Wie weit der Weg zu allgemein akzeptierten Alltagsrobotern dennoch ist, beweist allein die Tatsache, dass es auch in Japan noch keinen kommerziell erfolgreichen Roboter für Normalverbraucher gegeben hat. Der Wakamaru von Mitsubishi Heavy Industries geriet 2003 zum Flop, und auch Sony hat mittlerweile die Produktion seines Maschinenhundes Aibo eingestellt. Ein Grund dürften die hohen Preise gewesen sein: Der Wakamaru sollte 2003 eine Million Yen kosten, was heute rund 6400 Euro entspricht, für den Aibo verlangte Sony rund 2100 Euro.
Billig-Spielzeug oder Hightech-Menschmaschine?
Inzwischen versuchen japanische Unternehmen, billigere Roboter auf den Markt zu werden. Der rund 200 Euro i-Sobot von Tomy etwa besitzt 17 Motoren und kann eine Reihe gesprochener Wörter verstehen. Auch Sony hat seit vergangenem Jahr einen rollenden Roboter für etwa 230 Euro im Angebot. "Im Moment brauchen wir nicht den ultimativen humanoiden Roboter", sagt Kyoji Takenaka, Chef des japanischen Robot Business Promotion Council. "Die Ingenieure müssen bei der Entwicklung von Robotern weniger ans Labor und mehr an das Alltagsleben denken."
Doch Japans Wissenschaftler können das Basteln an der Menschmaschine nicht lassen. An der Universität in Osaka etwa wird derzeit ein Roboter gebaut, der die Entwicklung von Kindern besser verstehen lassen soll, indem er die Bewegungen von Kleinkindern nachahmt. Er reagiert er auf Geräusche, kann mit seinen Sensoren-Augen Menschen wahrnehmen, zappeln und glucksen. Teamleiter Minoru Asada arbeitet an einer Software mit künstlicher Intelligenz, die es dem Kind-Roboter ermöglichen soll, selbständig zu lernen.
"Im Moment sagt er nur 'ah, ah'", meint Asada. "Aber wir hoffen, dass er schon bald komplexere Sätze von sich gibt und sich aus eigenem Antrieb bewegt." Denn die Roboter der nächsten Generation, da ist sich Asada sicher, "müssen in der Lage sein, zu lernen und sich zu entwickeln".
Hiroshi Ishiguro, ebenfalls von der Universität in Osaka, geht noch weiter. Für ihn ist der Schlüssel der Roboter-Entwicklung die äußere Ähnlichkeit zum Menschen. Ishiguro Maschine namens "Geminoid" sieht dem Forscher ziemlich ähnlich - bis hin zum drahtigen, schwarzen Haar.
"Schließlich wollen wir uns nicht mit Maschinen oder Computern umgeben", sagt Ishiguro, "sondern mit Technologie, die menschlich wirkt." Eines Tages würden Roboter wie selbstverständlich unter Menschen "leben", meint der Forscher. "Dann müsste man mich fragen: 'Sind Sie menschlich? Oder ein Roboter?'"
mbe/AP
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