Von Inés de Castro
Das Fehlen weiterer solcher Textquellen erschwert die Diagnose, woran die klassische Maya-Kultur letztlich zu Grunde ging. Ökologische Probleme dürften eine große Rolle gespielt haben. Um die stetig wachsende Bevölkerung zu ernähren, aber auch für die -Repräsentationsbauten mussten immer neue Waldflächen abgeholzt werden. Die steinernen Gebäude des Adels waren mit Stuck verputzt, der auf Grund der Witterung immer wieder erneuert werden musste. Um den Grundstoff zu brennen, brauchte man viel Holz. Das Ergebnis: Erosion der ohnehin schon dünnen Humusschicht sowie Absinken des Grundwasserspiegels. Zudem verschlimmerten nach aktuellen Erkenntnissen Dürren als Folge von Klimaänderungen die Versorgungslage (Spektrum der Wissenschaft 1/2006, S. 42).
Konnten die Regierenden ihr Volk nicht mehr ernähren, verloren sie die Legitimation ihrer Herrschaft. Revoltierte nun das Volk in allen Städten? Ohne politische Führung aber wäre die Verteilung lebenswichtiger Güter noch schwieriger geworden, ebenso die Rekrutierung von Arbeitskräften für die Landwirtschaft oder den Bau neuer Wasserspeicher. Das Patt zwischen den angeschlagenen Rivalen Tikal und Calakmul mag die Situation verschärft haben, wie Nikolai Grube, Leiter des Instituts für Altamerikanistik der Universität Bonn, glaubt: Ohne eindeutige Hegemonie entstanden im Tiefland eine Vielzahl neuer Kleinststaaten, deren Königshöfe den großen Vorbildern in Sachen Monumentalbauten in nichts nachstehen wollten und ihre knappen Ressourcen weiter ausbeuteten.
Eine Stadt nach der anderen wurde aufgegeben, während am Rand des Tieflands und im Hochland des heutigen Guatemala neue Kleinstaaten prosperierten; über diese Vorfahren der heutigen Maya wissen wir aber noch wenig. In den einstigen Hochburgen der Klassik gewann der Urwald die Oberhand, erst Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten Forscher und Abenteurer die aus dem Kronendach ragenden Ruinen. Während Touristenmagnete wie Chichén Itzá, Palenque oder Tikal heute bequem mit Bussen erreichbar sind, hat Calakmul die Atmosphäre jener Zeit der Entdecker bewahrt – die Region wurde 1990 zum Naturschutzgebiet erklärt. Der dichte Regenwald dort vermittelt auch heute noch ein Gefühl der Ursprünglichkeit.
Die Maya zu Besuch in Hildesheim: Die Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum ist noch bis zum 13. April zu sehen - siehe maya-ausstellung.de
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