Der Sehverlust ist schleichend: Ab dem Alter von 50, 55 Jahren sehen Betroffene immer weniger scharf. Die sogenannte Makuladegeneration gilt als Hauptursache für das Erblinden älterer Menschen. Ähnliche Folgen hat die Diabetische Retinopathie, eine durch die Zuckerkrankheit ausgelöste Erkrankung der Netzhaut. Auslöser beider Augenleiden sind nicht mehr richtig funktionierende Blutgefäße im Auge.
Forscher der University of Utah in Salt Lake City berichten nun über einen vielversprechenden Ansatz, der beide Krankheiten stoppen könnte. Dean Li und seine Kollegen hatten bei Mäusen mit einem Medikament ein bestimmtes Protein aktiviert, das in Zellen der Blutgefäße vorkommt. Robo4 habe Schädigungen an der Netzhaut verhindert und sogar rückgängig gemacht, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Medicine". Das Protein habe das Wachstum abnormaler Blutgefäße verhindert und zugleich bestehende Blutgefäße stabilisiert, so dass diese dicht blieben und kein Blut austreten konnte.
Lis Forschergruppe beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Wachstum von Blutgefäßen. Dabei konnten die Wissenschaftler zeigen, dass es Netrine genannte Proteine gibt, die als Gegenspieler von Robo4 fungieren. Netrine fördern das Wachstum neuer Adern - unter Umständen auch an Stellen, wo sie Schäden anrichten können. "Alles in der Biologie hat ein Yin und ein Yang", sagte Li.
Die Ergebnisse der Mausexperimente sind vielversprechend. "Wir sind erfreut über diese neue Möglichkeit", sagte Randall Olson vom John Moron Eye Center der University of Utah. Es gebe nun "reale Hoffnung" für Patienten, denen bislang nur wenige, oft enttäuschende Therapien zur Verfügung stünden. Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass noch nicht bewiesen ist, dass sich das Prinzip auch auf das menschliche Auge übertragen lässt. Auch müssten Nebenwirkungen der Medikamente beachtet werden, mit denen das Protein Robo4 aktiviert wird.
Der entdeckte Mechanismus könnte nicht nur bei der Therapie von Augenleiden genutzt werden. Auch bei gefährlichen Infektionen wie Sars werden Blutgefäße destabilisiert, sie werden undicht, Blut gelangt in die Lungen, die Betroffenen sterben. Auch wenn noch nicht bewiesen sei, dass Robo4 auch zur Behandlung von Sars genutzt werden könne, lohne es sich, hier weiterzuforschen, erklärte Li.
hda
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