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08.04.2008
 

Versenkter Kreuzer

Wrackfotos sollen Rätsel der "Sydney" lösen

Es sind spektakuläre Bilder vom Meeresboden: Forscher präsentieren die ersten Fotos vom Wrack der "HMAS Sydney". Die Bilder sollen die Frage beantworten, wie der Kreuzer im Zweiten Weltkrieg von einem umgebauten deutschen Handelsschiff versenkt werden konnte.

Es war die größte Seefahrtskatastrophe in der Geschichte Australiens: Am 19. November 1941 wurde der leichte Kreuzer "HMAS Sydney" vom deutschen Hilfskreuzer "Kormoran" versenkt. Keiner der 645 australischen Seeleute überlebte, während die meisten Besatzungsmitglieder der schwer beschädigten "Kormoran" gerettet wurden. Die kampfstarke "Sydney" war der Stolz der australischen Marine. Dass sie von der deutlich unterlegenen "Kormoran" - einem umgebauten Handelsschiff - versenkt wurde, war Anlass für heftige Debatten und Verschwörungstheorien.

Mitte März hatte ein Forschungsschiff im Auftrag der "Finding Sydney Foundation" die Wracks beider Schiffe per Sonar vor der Küste Westaustraliens geortet. Jetzt haben die Experten die ersten Fotos der "HMAS Sydney" veröffentlicht - und sie könnten das jahrzehntealte Rätsel über den Verlauf des Gefechts lösen.

Die gestochen scharfen Unterwasserfotos legen nach Ansicht der Fachleute nahe, dass die "Kormoran" die "Sydney" tatsächlich schwer beschädigt hat. "Sie beweisen, wie heftig diese Schlacht war", sagte Warren Snowdon, Australiens Minister für Verteidigungsforschung. Die Bilder wurden in 2470 Metern Tiefe von einem Spezial-Tauchboot geschossen. Sie sind die ersten Zeugnisse des Kreuzers, seit dieser das letzte Mal brennend am Horizont gesichtet wurde.

Rätsel um den Verlauf der Schlacht

Bis heute ist umstritten, wie das Gefecht zwischen den beiden Schiffen verlaufen ist. Als die "Sydney" die "Kormoran" etwa 800 Kilometer nördlich von Perth sichtete und anfunkte, gab sich der Hilfskreuzer als das niederländische Handelsschiff "Straat Malakka" aus. Die Überlebenden der "Kormoran" berichteten später, dass die "Sydney" sich auf eine Entfernung von nur 1,5 Kilometern genähert habe. Dann hätten die Deutschen ihre Flagge gehisst und das Feuer eröffnet.

Das deutsche Schiff soll gleich zu Anfang des rund 30-minütigen Gefechts Dutzende Treffer mit seinen sechs 15-Zentimeter-Kanonen erzielt haben. Nach Angaben der australischen Marine wurden die Brücke der "Sydney" und ihr Feuerleitstand wohl schon durch die erste Salve zerstört. Kurz darauf wurden drei der vier Hauptgeschütztürme mit den 15-Zentimeter-Kanonen zerschossen. Auch eines von zwei Torpedos der "Kormoran" soll den australischen Kreuzer getroffen haben.

Der verbliebene Geschützturm der "Sydney" schoss weiter und traf unter anderem den Maschinenraum der "Kormoran". Anschließend drehte die "Sydney" ab und erhielt immer wieder schwere Treffer durch die Geschütze der "Kormoran". Obwohl das Gefecht nur 30 Minuten dauerte, waren beide Schiffe irreparabel beschädigt. Der Brand im Maschinenraum der "Kormoran" führte dazu, dass die Besatzung das Schiff selbst versenken musste. Noch bis in die Nacht sahen die Überlebenden den Feuerschein der brennenden "Sydney", die inzwischen weit abgetrieben war.

Einschusslöcher in Geschütztürmen

Die Fotos vom Wrack der "Sydney" zeigen nun ein Einschussloch in einem der Geschütztürme an Deck. Ein weiteres Bild zeigt Beschädigungen an einem anderen Geschützturm. Das deckt sich mit den Darstellungen von Überlebenden der "Kormoran", die allerdings wichtige Fragen offen ließen. Warum etwa konnte sich die schwer beschädigte "Sydney" zurückziehen und stundenlang über Wasser halten, ohne dass sich die Mannschaft retten konnte?

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