Körperzellen, die zu Alleskönner-Stammzellen reprogrammiert werden, sind derzeit der letzte Schrei in der Medizin. Anders als bei embryonalen Stammzellen muss für ihre Herstellung kein Embryo zerstört werden. Doch ob die reprogrammierten Zellen genauso viel können wie ihre embryonalen Gegenstücke, das war bislang unklar.
Humane iPS-Zellen (Archivbild von 2007): Mit den reprogrammierten Zellen hoffen Forscher einmal Parkinson auch beim Menschen behandeln zu können.
Erst kürzlich war einem US-japanischen Forscherteam die Behandlung von Parkinson-Symptomen mit geklonten embryonalen Stammzellen in Mäusen gelungen.Die Forscher hatten Ratten mit Parkinson sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) eingepflanzt, die sie zuvor aus deren Hautzellen hergestellt hatten. Als die an Parkinson erkrankten Ratten Wochen nach der Transplantation untersucht wurden, hatte sich ihr Zustand erheblich verbessert. Die Forscher sehen darin einen entscheidenden Hinweis, dass nicht nur embryonale Stammzellen sondern auch zu Stammzellen reprogrammierte Körperzellen beschädigte oder verlorene Nervenzellen ersetzen können.
Parkinson ist eine neurologische Erkrankung, bei der im Gehirn Zellen absterben, die für die Produktion des Botenstoffes Dopamin zuständig sind. Der Mangel an diesem Botenstoff führt schließlich zu Zittern, Starre und Gleichgewichtsstörungen. Mit der Stammzellentherapie verbinden Forscher große Hoffnungen bei der Behandlung von neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson. Diese Krankheiten nehmen zu: In den 15 bevölkerungsreichsten Ländern der Welt leben derzeit mehr als vier Millionen Parkinson-Patienten. Forscher gehen davon aus, dass sich ihre Zahl bis zum Jahr 2030 mehr als verdoppeln könnte.
Bei den Whitehead-Versuchen konnten vier Wochen nach dem Einpflanzen der neuen Zellen acht von neun Ratten, die wegen der Parkinson-Krankheit immer im Kreis liefen, wieder besser oder vollständig geradeaus laufen. Die Rattenversuche der Forscher liefern nun erste Hinweise, dass diese umprogrammierten Hautzellen tatsächlich wie Stammzellen eingesetzt werden können: "Dies ist der erste Nachweis, dass umprogrammierte Zellen in das Nervensystem integriert werden und eine positive Wirkung auf neurodegenerative Krankheiten haben können", sagte Studienleiter Marius Wernig. "Wir haben gezeigt, dass die umprogrammierten Zellen therapeutisches Potential haben", so Wernig. "Aber wir müssen immer noch bessere und sicherere Möglichkeiten finden, diese Zellen herzustellen."
Dennoch ist bei der Bewertung der Erfolge Wernigs Zurückhaltung geboten: Für Parkinson-Experimente an Mäusen oder Ratten gelte grundsätzlich, dass die Krankheit bei den Nagern künstlich hervorgerufen werde, meint Jürgen Hescheler vom Institut für Neurophysiologie der Universität Köln im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Schon dadurch ist die Aussagekraft für den Menschen stark begrenzt."
lub/afp
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