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20.04.2008
 

Brooklyn Bridge

Das achte Weltwunder

Von Rainer Nolden

Die Brooklyn Bridge ist eine Meisterleistung, die ohne den deutschstämmigen Architekten Röbling wohl nie gebaut worden wäre. Denn vor 125 Jahren hatten New Yorks Stadtväter schwerste Bedenken: Wollen Menschen wirklich über eine solch lange Brücke gehen?

Normalerweise benötigte das Fährschiff von Manhattans Lower East Side nach Brooklyn gerade mal zehn Minuten. Doch im harten Winter des Jahres 1857 machten dem Kapitän außer der tückischen Strömung auf dem East River auch noch gigantische Eisschollen zu schaffen. Er brauchte Stunden für die nicht einmal einen Kilometer lange Passage. Dem ungeduldigen Architekten Johann August Röbling, der mit seinem 15-jährigen Sohn Washington auf dem Boot festsaß, ließ diese frustrierende Erfahrung keine Ruhe.

Nächtliche Schönheit: Die Brooklyn Bridge ist ein Wahrzeichen Manhattans
AFP

Nächtliche Schönheit: Die Brooklyn Bridge ist ein Wahrzeichen Manhattans

Noch im gleichen Jahr schlug er der Stadtverwaltung von New York den Bau einer Hängebrücke über den East River vor – einer Konstruktion, wie er sie schon mehrfach selbst errichtet hatte.

Doch seine Idee stieß auf Bedenken. Mit einer Hängebrücke sei es wohl kaum möglich, den einige hundert Meter breiten Fluss zu überspannen, lautete ein Gegenargument. Die starken Winde könnten das Bauwerk zum Einstürzen bringen. Außerdem würde es die Fährleute in den Ruin treiben. Und ob die New Yorker überhaupt bereit seien, eine so große Strecke über das Wasser zu laufen? Von den Kosten mal ganz abgesehen.

Aber so leicht gab Röbling nicht auf. Er wusste, was möglich war; schließlich hatte er schon reichlich Erfahrung gesammelt – als Brückenbauer und als Erfinder eines bahnbrechenden Verfahrens: 1841 hatte er ein aus sieben Einzelsträngen verzwirbeltes Drahtseil entwickelt, das er seither in seiner Firma in Trenton, New Jersey, serienmäßig herstellen ließ und das bald die bis dahin üblichen, aber reißanfälligen Hanfseile ersetzte.

1845 kam das Stahlseil erstmals zum Einsatz, als Röbling, zu diesem Zeitpunkt 39 Jahre alt, den Niagara nahe bei den Wasserfällen mit einer Eisenbahnbrücke überspannte. Von 1856 bis 1867 hatte er über den Ohio River die 322 Meter lange Cincinnati Bridge – seit 1984 "Roebling Bridge" – gezogen, die damals längste Hängebrücke der Welt. Die spätere Brooklyn Bridge sollte ein wenig wie ihre große Schwester aussehen. Alles in allem waren unter Röblings Ägide innerhalb von 23 Jahren neun Brücken entstanden.

Doch es dauerte weitere neun Jahre, bis die Herren im New Yorker Rathaus den hartnäckigen deutschen Einwanderer erhörten. Einmal mehr kam Röbling, seit 1837 amerikanischer Staatsbürger, ein bitterkalter Winter zu Hilfe, der zum Jahreswechsel 1866/67 den Fährverkehr behinderte und dafür sorgte, dass Tausende Bürger tagelang nicht rechtzeitig zur Arbeit oder nach Hause kamen. Überhaupt war der Verkehr im Lauf der Zeit immer dichter und chaotischer geworden – 1854 notierte die britische Reiseschriftstellerin Isabella Bird über die Verhältnisse in den Straßen von New York: "Ständig rasen laut läutend Omnibusse, Droschken und Eisenbahnen heran und ängstigen die Fußgänger." Auch zu Wasser herrschte permanenter Verkehr. Von frühmorgens bis spät in die Nacht schipperten Fährschiffe zwischen Manhattan und Brooklyn hin und her.

Am Ende waren es vor allem die Bewohner von Brooklyn selbst, die immer energischer nach einer Brücke verlangten, um das boomende Manhattan schneller zu erreichen. Auch die New Yorker Zeitungen machten sich für das Projekt stark. Und so war es am 16. April 1867 endlich so weit: Eine Gesellschaft wurde gegründet, die das Geld für den Brückenbau beschaffen sollte. Die Kosten wurden auf sieben Millionen Dollar geschätzt – summierten sich am Ende aber auf über 15 Millionen. Zum federführenden Architekten bestellte man Röbling. 1869 wurde der erste Spatenstich getan. Für Röbling war das ein wichtiger Etappensieg.

Amerika – "Land der Zukunft"

Begonnen hatte sein Traum 1826 in Berlin, wo der angehende Architekt eine Vorlesung des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) zur "Philosophie der Weltgeschichte" besuchte und fasziniert vernahm: "In der Tat bietet die Auswanderung viele Vorteile dar, denn die Auswandernden haben vieles abgestreift, was ihnen in der Heimat beengend sein konnte, und bringen den Schatz des europäischen Selbstgefühls und der Geschicklichkeiten mit; und für die, welche anstrengend arbeiten wollen und in Europa die Quellen dazu nicht fanden, ist in Amerika allerdings ein Schauplatz eröffnet." Für Hegel war Amerika "das Land der Zukunft", in dem sich die "weltgeschichtliche Wirklichkeit offenbaren soll; es ist ein Land der Sehnsucht für diejenigen, welche die historische Rüstkammer des alten Europa langweilt".

Fortan war Röbling fasziniert vom Gedanken an die Neue Welt, zumal er wusste, dass die preußische Regierung – mit ihren Repressionen und ihrer Zensur, der ausufernden Bürokratie, den verschlungenen Dienstwegen und undurchsichtigen Zuständigkeiten – technischen Neuerungen gegenüber alles andere als aufgeschlossen war. 1831 verließ der 25-Jährige zusammen mit seinem Bruder und einigen Gleichgesinnten, darunter seine spätere Frau Johanna Herting, die thüringische Heimatstadt Mühlhausen. Von Bremen aus segelten sie mit weiteren Abenteuerlustigen und Heimatmüden an Bord des Dreimasters "August Eduard" nach Philadelphia.

In der Neuen Welt gründeten die Auswanderer in Pennsylvania die Kolonie "Saxonburg". 1836 heiratete Röbling. Lange, entbehrungsreiche Jahre vergingen, bis er endlich beruflich Fuß fassen und sich mit ersten Aufträgen einen Namen machen konnte. Er hatte sich, ganz im Hegel'schen Sinn, "den Schauplatz eröffnet", um seine Träume – kühne, neuartige Brückenkonstruktionen – realisieren zu können.

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21.04.2008 von schensu: Sicher?

Sie haben sicher Recht, dass man bei weitgehend baulichem Neuland einen ganzen Waggon voll Mut braucht. Nicht selten haben Pioniere während oder kurz nach der Bauphase ihres Projektes kapituliert, weil sie der Mut verließ. [...] mehr...

21.04.2008 von schensu: Viel Aufklärung nötig!

Oh, noch ein Leidensgenosse?;-)) Nee, ich kann ganz gut mit der Hybries dieser Spezies umgehen. Wenn die öffentliche Wahrnehmung in D im Allgemeinen und im SpOn im Besonderen es nunmal so haben will, dann kriegt sie es eben - [...] mehr...

21.04.2008 von Leeuw: River Cafe

Am Fusse der Bruecke auf der Brooklyn Seite befindet sich uebrigens das River Cafe...etwas snobby aber schoener Blick von dort auf Manhattan... Und: natuerlich gehen Sie von dort nach dem Dinner ueber die Bruecke! mehr...

20.04.2008 von smokeonit: röbling war visonär!

solche bauwerke werden durch die vision eines menschen errichtet! wenn keiner den mut und die vision hat, dann passiert auch nichts! Röbling war ein visonär, deswegen war er so erfolgreich und wird lange erinnert werden. mehr...

20.04.2008 von PES: Bauingenieur = Zivilingenieur

Im angelsächsischen Sprachraum heißt der Bauingenieur "Civil Engineer". Dies bringt in viel besserem Grad die Bedeutung des Berufsstandes zum Ausdruck. Der Bereich dieser Ingenieure umfasst neben der Realisierung der [...] mehr...

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