• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Weltraumtourismus Per Sachsen-Anhalter in die Galaxis

2. Teil: "Cochstedt, wir haben ein Problem"

Wie realistisch diese Einschätzung ist, wird sich zeigen. Die wirtschaftliche Seite des Raumfahrtprojekts ist derzeit nur schwer einzuschätzen, technologisch macht das Vorhaben indes einen guten Eindruck. Die Raumflieger sollen mit derselben Technologie entstehen wie Heys Kunstflugzeuge: Der Rumpf wird aus mehreren Lagen Kohlefaser gefertigt.

Das grau schimmernde Gewebe liegt leicht in der Hand und fasert ein bisschen am Rand. Schwer vorstellbar, dass daraus ein Raumschiff entstehen kann. Doch bis zu 18 Lagen der Fasern werden an besonders stark beanspruchten Stellen des Rumpfes verklebt und mit weiteren Schichten zu einem hochfesten Material verbacken, das auch den Wiedereintritt in die Atmosphäre ohne Probleme wegstecken soll.

Wie belastungsfähig die Fasern (Quadratmeterpreis um 25 Euro) sind, zeigt sich, wenn man sich Heys Flugzeuge ansieht, die in der Cochstedter Werkhalle gefertigt werden. Bis zu 500 Quadratmeter Fasern werden für ein Kunstflugzeug verbaut. Dafür hält jede Maschine mindestens die zehnfache Erdbeschleunigung aus, normalerweise sogar noch deutlich mehr: "Das sind nur die offiziellen Werte, im Prinzip könnte man die Maschinen bis zur vierzigfachen Erdbeschleunigung belasten", erklärt Hey.

Hitzeschutz unnötig

In seinen Prognosen für eine Rückkehr aus dem All hat Peer Gehrmann ausgerechnet, dass nur ein Zehntel davon auf die "Enterprise" wirken dürfte. Aber wie verhält es sich mit dem Hitzeschutz beim Wiedereintritt in die Atmosphäre? "Den brauchen wir nicht", sagt Gehrmann. Weil die Geschwindigkeit bei der Rückkehr vergleichsweise niedrig sei, würden gerade einmal 60 bis 70 Grad Celsius auf den Rumpf wirken.

Bleibt ein wichtiger Punkt: "Das größte technologische Problem ist das heiße Raketentriebwerk in einem Flugzeug aus hochbrennbarem Material", sagt Günzel. Damit der Raketenflieger nicht den Satz "Cochstedt, wir haben ein Problem" funken muss, wird das Raketentriebwerk aus Flugzeugaluminium so gut wie möglich vom Passagierraum getrennt. Ungefährlich ist das Ganze trotzdem nicht: "Die ersten Passagiere werden vollkommen auf eigenes Risiko mitfliegen", sagt Günzel. Versicherungen für solche Reisen gebe es derzeit nicht.

Entspannt geben sich Günzel, Gehrmann und Hey, wenn man sie auf die Umweltbilanz ihrer geplanten Flüge anspricht. Offiziell wollen sie CO2-neutral fliegen, mit Bioethanol. Die drei rechnen vor, dass der Pro-Kopf-Treibstoffverbrauch für die Reise ins All in etwa dem eines Fluges von Frankfurt nach Sydney und zurück entspricht - jedenfalls wenn man die durchschnittliche Auslastung der Maschinen mit gut 60 Prozent ansetzt. "Unsere Maschinen", meint Günzel, "sind dagegen immer voll besetzt."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP