Der Transport ist die nächste Herausforderung. Bevor das CO2 auf die Reise gehen kann, muss es verdichtet werden - und auch das kostet wieder Energie. Dann beginnt der Transport ins Endlager unter der Erde. Sobald es um größere Kraftwerke geht, müssen dafür Pipelines her. Doch Energieunternehmen klagen, dass für die neuen CO2-Rohrleitungen noch die rechtlichen Rahmenbedingungen fehlen. Immerhin wird auf europäischer Ebene derzeit über eine Richtlinie diskutiert.
Aus der Pilotanlage in Schwarze Pumpe sollen einstweilen Tankwagen - betrieben mit Biosprit - das abgetrennte CO2 wegbringen. Das Ziel: eine fast leere Erdgaslagerstätte im Norden Sachsen-Anhalts, 3000 Meter unter der Erde.
Derzeit werden mehrere Speicherarten geprüft. Da wären zum Beispiel solche leeren Erdöl- und Erdgaslagerstätten, die über Jahrmillionen bewiesen haben, dass sie dicht sind. Hier kann das Treibhausgas sogar genutzt werden, um die Förderung der letzten Reserven der Lagerstätte effizienter zu machen. Großtechnisch kommt das Verfahren bisher im kanadischen Weyburn zum Einsatz. Dort wird CO2, das in einer Chemieanlage im US-Bundesstaat North Dakota anfällt, in ein Ölfeld gepresst, um dessen Produktivität zu verbessern.
Bei einem anderen Lagerverfahren setzt man auf sogenannte saline Aquifere. Das sind poröse Sedimentgesteine, die von einer stark salzhaltigen Lösung getränkt sind. Die Poren des Gesteins können zur CO2-Aufnahme genutzt werden - jedenfalls wenn oberhalb der geplanten Lagerstätte ein gasdichtes Deckgestein liegt.
Das größte Projekt dieser Art betreibt der Ölkonzern StatoilHydro vor der Küste Norwegens: Auf dem Gasfeld "Sleipner" wird schon seit mehr als zehn Jahren CO2, das bei der Erdgasherstellung anfällt, in eine Sandsteinschicht 800 Meter unter dem Nordseeboden gepresst - etwa eine Million Tonnen im Jahr. Für StatoilHydro ist das ein lohnendes Geschäft, weil das Unternehmen auf diese Weise die norwegische CO2-Steuer sparen kann.
Ein undichtes Endlager wäre fatal
Doch bisher gibt es nur wenige Endlagerprojekte; es muss noch weiter geforscht werden. Wie kann sichergestellt werden, dass das Gas nicht doch durch Risse und Spalten im Gestein entweicht? Das wäre schlecht fürs Klima - und wegen der verunsicherten Bevölkerung ein PR-Desaster erster Güte, wenn es darum geht, weitere CO2-Lagerstätten zu etablieren. Schließlich weiß der Durchschnittsbürger ohnehin nicht so recht, was er von dem farb- und geruchlosen Stoff halten soll, der in hoher Konzentration in der Atemluft zum Erstickungstod führen kann.
Deswegen gibt es Projekte wie "CO2SINK", das in diesen Tagen im brandenburgischen Ketzin starten soll. "Wir wollen herausfinden, wie gut man das CO2 im Boden verfolgen kann", sagt Fabian Möller vom Geoforschungszentrum Potsdam. Dafür sollen über ein Bohrloch binnen zwei Jahren 60.000 Tonnen des Treibhausgases versenkt werden - eine "homöopathische Menge", sagt Möller.
Wie weit der Weg zu einer funktionierenden CO2-Abtrennung und -Speicherung noch ist, beweist allein ein Detail: Weil es noch keine größeren Kraftwerke mit funktionierender Abtrennung gibt, die regelmäßig CO2 liefern könnten, müssen Möller und seine Kollegen in Ketzin das Treibhausgas für ihre Speicherversuche speziell herstellen und anliefern lassen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Mensch | RSS |
| alles zum Thema Klimawandel | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH