London - Abnehmen kann so einfach sein: Hersteller diverser Schlankheitsmittelchen bombardieren ihre potentiellen Kunden mit dieser frohen Botschaft, die sich am Ende nicht selten als nicht ganz richtig herausstellt. Doch es geht offenbar auch ohne teure Hightech-Diät und chemische Helferlein: Wer sich das vergangene Mittagessen ins Gedächtnis ruft, hat weniger Lust auf einen Snack.
Das zumindest ergab eine Untersuchung der Psychologin Suzanne Higgs von der University of Birmingham. Die Forscherin präsentierte ihren Probandinnen Kekse, kurz nachdem alle Teilnehmerinnen ein Mittagessen erhalten hatten. Lag das Mittagessen eine Stunde zurück, stellte Higgs nur geringe Unterschiede im Essverhalten fest. Gab es die Kekse dagegen drei Stunden später, hätten die Frauen, die sich das Mittagessen vorher noch einmal ins Gedächtnis gerufen hatten, deutlich weniger Appetit verspürt.
Die 47 weiblichen Probanden durften für das Experiment so viele Plätzchen essen, wie sie wollten. Vor dem Keksgelage aber sollten sie einen Bericht über ein vergangenes Erlebnis schreiben: Eine Gruppe wurde aufgefordert, ihre Anreise zur Universität zu schildern, während die Frauen in der zweiten Gruppe über das Mittagessen berichten sollten, das alle Teilnehmerinnen kurz zuvor erhalten hatten. Die Erinnerung an die Mahlzeit schien das Hungergefühl der Teilnehmerinnen dabei zu dämpfen, schreibt Higgs im Fachblatt "Physiology & Behaviour". Während die Frauen der ersten Gruppe durchschnittlich mehr als 20 Gramm aßen, hatten die Teilnehmerinnen der zweiten Gruppe schon nach rund 15 Gramm Keksen keinen Appetit mehr.
Dieses Ergebnis widerspreche anderen Untersuchungen, denen zufolge der Gedanke an Essen das Hungergefühl sogar vergrößern könne, meint Higgs. Sie vermutet, dass der Unterschied in den Details liegt: Während der generelle Gedanke ans Essen den Appetit anrege, könne die Erinnerung an eine bestimmte Mahlzeit den gegenteiligen Effekt hervorrufen.
Verantwortlich dafür könnte die Verarbeitung der Erinnerungen im Gehirn sein, so Higgs. Danach regt das aktive Erinnern den Hippocampus an - eine Gehirnregion, die eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung spielt. Je präsenter die Erinnerung an eine Mahlzeit ist, desto mehr Einfluss könnte das auf die Entscheidung haben, ob sich ein Hungergefühl meldet oder nicht, vermutet die Psychologin.
mbe/ddp/dpa
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