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04.05.2008
 

Viren-Epidemie in China

"Kinder-Sars" breitet sich aus - schon 24 Todesfälle

Chinas Behörden warnen vor einer neuen Epidemie, die sich ähnlich schnell und tödlich ausbreiten könnte wie einst die Atemwegserkrankung Sars: Schon 24 Kinder fielen dem Enterovirus EV-71 zum Opfer, gegen die als Hand-Fuß-Mundkrankheit bekannte Infektion gibt es keine Impfung.

Peking - Das chinesische Gesundheitsministerium gab am Samstag eine landesweite Warnung heraus: Die lokalen Behörden wurden angewiesen, das Auftreten des Erregers mit der Bezeichnung Enterovirus EV-71 genauestens zu beobachten und vorbeugende Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung zu treffen.

Erkranktes Kind in einem Krankenhaus in Fuyang: 4500 Infektionen seit März
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AP

Erkranktes Kind in einem Krankenhaus in Fuyang: 4500 Infektionen seit März

Nach Regierungsangaben wurden bis Samstag mehr als 4500 Erkrankungen in der zentralen Provinz Anhui registriert, die meisten davon in der Stadt Fuyang. 24 Kinder seien gestorben, 1115 Infizierte würden in Kliniken behandelt, 42 von ihnen befänden sich in einem kritischen Zustand, erklärten die Behörden weiter.

Auch in der 1700 Kilometer von Anhui entfernten Provinz Guangdong starb ein 18 Monate alter Junge an der seit März in China grassierenden Erkrankung, ein zweiter Todesfall werde untersucht, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. "Das ist eine außergewöhnlich hohe Todesrate, und das erregt unsere Aufmerksamkeit", sagte ein Sprecher des Regionalbüros der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Peter Cordingley der Nachrichtenagentur AP.

Die Hand-Fuß-Mundkrankheit wird durch Viren ausgelöst, die Fieber und Hautausschläge mit Bläschenbildung auslösen. Normalerweise verläuft die Infektion harmlos und geht mit einer Verschorfung der Bläschen und darauf folgender Abheilung vorüber. Es kann aber auch zu einer Hirn- oder Hirnhautentzündung führen, die bei ungünstigen Bedingungen tödlich verlaufen kann. Betroffen von der Infektion, die zumeist in den Sommermonaten und bevorzugt in tropischen Klimazonen auftritt, sind meist Kinder. Eine Impfung existiert nicht. Als wichtigste Vorbeugung gegen eine Ansteckung gilt Händewaschen.

Es sei notwendig, eine weitere Ausbreitung der Infektionskrankheit zu verhindern, um den reibungslosen Ablauf der Olympischen Spiele zu garantieren und die soziale Stabilität zu gewährleisten, erklärte das Gesundheitsministerium im Internet. Offenbar in Erinnerung an die Erfahrungen mit der Lungenkrankheit Sars wurden Personen und Behörden, die Ausbrüche vertuschen wollten, Strafen angedroht.

Die Ursache des Virenausbruchs in China war nach dem ersten Auftreten der Krankheit weiterhin unbekannt. Bei einigen Kindern wurden laut Nachrichtenagentur Xinhua Hirn-, Herz- und Lungenschäden festgestellt. Alle Betroffenen sind unter sechs Jahre alt, die meisten sogar jünger als zwei Jahre. Auch aus Vietnam und Singapur wurden den Angaben zufolge mehr Krankheitsfälle als üblich gemeldet.

Staatliche Medien berichteten in der vergangenen Woche, in Fuyang sei die Reaktion der Behörden als zu langsam kritisiert worden. Als Folge hätten sich Gerüchte verbreitet, dass die Kinder an einer Art "Kinder-Sars" leiden würden, berichtete die Zeitung "Zhongguo Qingnian Bao". Die durch den bis dato unbekannten Coronavirus ausgelöste Krankheit der Atemwege hatte sich 2003 von Guangdong aus verbreitet und weltweit 774 Menschen das Leben gekostet. Der Regierung in Peking wurde vorgeworfen, sie habe versucht, den Ausbruch zu vertuschen.

Nach Erwartung des Gesundheitsministeriums wird der Ausbruch der Epidemie vermutlich erst im Sommer seinen Höhepunkt erreichen.

bor/dpa/AP

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