Es ist ein Paukenschlag mit Zeitverzögerung. Vor einem halben Jahr hatte ein Forscherteam um Nikica Zaninovic von der Cornell University in New York auf der Jahrestagung der US-Gesellschaft für Reproduktionsmedizin das Poster mit der Nummer "P-613" vorgestellt. Darauf beschrieben sie, wie sie einen Teil eines menschlichen Embryos genetisch modifizierten. Und ihn nach fünf Tagen Wachstum wieder zerstörten.
Unveränderter Embryo (drei Tage nach Befruchtung): "Niemand von uns wollte Designerbabys erzeugen"
Denn in Großbritannien wird über ein neues Gesetz abgestimmt, das die Schaffung genetisch modifizierter Embryonen erlauben würde - genauso wie die Forschung an Mischwesen aus Menschen und Tieren, die ein britisches Team vor wenigen Wochen in Newcastle vorgestellt hatte. In einer ersten Abstimmung stimmten 340 Parlamentarier für das Gesetz ("Human Fertilisation and Embryology Bill") und nur 78 dagegen. Doch endgültig beschlossen ist es nicht, und schon die Nachricht von der Chimäre aus Newcastle ("0,1 Prozent Kuh und 99,9 Prozent Mensch") hatte viel Aufsehen erregt.
Auch das Experiment der Cornell University stößt auf Bedenken. Die britische Aufsichtsbehörde HFEA warnte der "Times" zufolge, solch kontroverse Experimente würden "große ethische und öffentlich bedeutsame Fragen" provozieren. David King von der britischen Organisation Human Genetics Alert protestiert: "Das ist der erste Schritt auf einem Weg, der zum Albtraum von Designerbabys und einer neuen Eugenik führt." Das Parlament wisse davon gar nichts. Marcy Darnovsky vom Center for Genetics and Society kritisierte, die Forscher würden "ohne irgendeine öffentliche Debatte" Techniken entwickeln, die andere nutzen könnten, um genveränderte Menschen herzustellen.
Konkret hatten die New Yorker Forscher um Nikica Zaninovic nach eigener Aussage einen nicht lebensfähigen Embryo mit einem zusätzlichen Genabschnitt ergänzt, der in ein fluoreszierendes Protein übersetzt wird. Aus diesem genveränderten Embryo sollten Stammzellen erzeugt werden. Mit dem eingefügten fluoreszierenden Markergen wollten die Forscher überprüfen, ob die Modifikation auch in den Stammzellen übernommen worden wäre. Doch dazu kam es nicht, der Embryo entwickelte sich laut dem beteiligten Forscher Zev Rosenwaks nicht weit genug.
"Niemand von uns wollte Designerbabys erzeugen", sagte Rosenwaks. Die Forscher hätten Zugriff auf den Embryo gehabt, weil er im Rahmen einer künstlichen Befruchtung erzeugt und aussortiert worden sei.
Genveränderungen in Embryonen sind dauerhaft - und werden auch an zukünftige Generationen weitergegeben. Genau hier setzen die Kritiker an. Wäre die Technologie ausgereift, könnten sich Eltern damit im Prinzip ihr Wunschkind wie aus einem Baukasten zusammenstellen.
Die Forscher entgegnen, durch das Experiment könne man studieren, wie sich Krankheiten ausbreiten. Außerdem könnten genveränderte Embryos womöglich besser Stammzellen liefern als herkömmliche.
chs
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