1. Teil: Wie überflüssig ist unsere Arbeit?
Wer heute in einem reichen Land älter als fünfzig Jahre ist und trotzdem noch das zweifelhafte Glück genießt, als Lohnabhängiger im Arbeitsprozess zu stehen, hat höchstwahrscheinlich mit Maschinen zu tun, von denen der Computer nur die neuartigste ist.
Wird er oder sie entlassen und hat es versäumt, sich kontinuierlich fortzubilden, braucht so ein Mensch seine Arbeitskraft auf dem Markt gar nicht mehr anzubieten.
Die Maschinen, an denen für zu alt befundene Gefeuerte von heute das gelernt haben, was sie können, sind schon lange vor ihnen aus dem Verkehr gezogen worden. Sie können sie auf dem Schrottplatz besuchen, wenn ihnen die Meldepflicht beim Amt für Almosen Zeit dazu lässt. Kopfschüttelnd, vielleicht wehmütig, werden diese Arbeitslosen lesen, wie viel Pathos Bert Brecht in den "Fragen eines lesenden Arbeiters" noch auf die Entdeckung der menschlichen Muskelleistung verwendet hat: "Wer baute das siebentorige Theben? / In den Büchern stehen die Namen von Königen. / Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?"
Dieses Gerät, das Energie und Arbeit spendet, hat Schiffe betrieben, den Verkehr auf Straßen und Schienen verändert, die Förderung von Steinkohle mittels Hochpumpen von Wasser aus der Erde erleichtert, die Herstellung von Eisen beschleunigt, Stahl im Schmelztiegel gekocht und später gewalzt und damit sowie mit anderen Erzeugnissen die Konstruktion von Brücken revolutioniert. Wichtiger noch: Diese Maschine war eine der ersten, die, weil sie etwa den Zylinderbau vereinfachte, im großen Maßstab die Fertigung von anderen Maschinen voranbrachte.
In der so aufkommenden Maschinenwelt haben Kulturkritiker bald die Angst geäußert, dass "nach völliger Abtötung aller schöpferischen Möglichkeit durch eine selbsttätige Technik" (Karl Kraus) die Menschen früher oder später nichts mehr zu bestellen haben würden.
Diese Angst hat einen Schein von Wahrheit nur da, wo man die Menschen mit den Lohnabhängigen verwechselt und diese wiederum mit den Pferden, die ein Autobesitzer entbehren kann.
Wo es Autos gibt, fällt das Pferd, wenn man es gnädigerweise freilässt, vom Bestandteil eines durch Menschen organisierten Arbeitsvorgangs auf den Selbstversorgerstatus zurück. Es zeugt dann vielleicht in den letzten freien Wäldern Nordamerikas mit anderen Pferden neue Pferde, sofern man es in Ruhe lässt und seine Lebensgrundlagen nicht antastet, mehr hat es nicht zu tun. Maschinen dagegen reproduzieren sich nur, wo Menschen das wollen.
Dafür müssen sie einen Grund haben. Das kann der Profit sein – dann wehe den Lohnabhängigen, sie werden sich als Anhängsel der stärkeren Apparate nach der Decke strecken müssen. Es kann aber auch die allgemeine Arbeitsersparnis sein, zum Beispiel als Arbeitszeitverkürzung – dann wird "alle schöpferische Möglichkeit" vom Maschinenwesen gerade nicht abgetötet, sondern für interessantere Aufgaben befreit.
Ob die Arbeit durch Maschinen befreit oder nur noch weiter erniedrigt wird, darüber entscheiden rechtzeitige Nutzung oder Vergeudung der Chance, die sich bietet, wenn die Technik tendenziell tatsächlich "selbsttätig" wird: Sobald Maschinen ihrerseits Maschinen fabrizieren können, verändert sich das zum allgemeinen Güterwachstum relative Wachstum der Anzahl der Werkzeuge und Gerätschaften mit einer Geschwindigkeit, die nach bewusster Lenkung verlangt. Wenn die Gesellschaft, die sich maschinisiert, ihre soziale Fortbildung zur maschinenbeherrschenden Hochzivilisation versäumt, wird sie vom Geschichtsverlauf unter ein Gesetz gestellt, das ebenso blind ist wie das Naturgesetz, aber weniger leicht auszutricksen als dieses.
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Sie haben das sehr schön beschrieben und ich bin ganz auf Ihrer Seite. Und , es ist doch die politische Lüge des Jahrhunderts, dass eine Maschine den Menschen ersetzen könnte. Es sind in Deutschland mit Beginn der 70ziger [...] mehr...
Ja und das wäre jetzt gerade mal interessant gewesen zu erfahren. Dass die Leutchen immer mehr zu Eremiten mit Internetanschluss werden liegt aber meines Erachtens auch an unserer sonderbaren Justiz. Da kann jeder jeden mit [...] mehr...
Der Großteil unseres heutigen Fortschritts ist sowieso eine Weiterführung der Antike. Damit meine ich nicht nur unser Rechts- und Staatswesen, Straßenbau, Beton & Zement, Kalender, ... Warum wurde der Entdeckungs- und [...] mehr...
Ich habe da mal einen Song dazu geschrieben. Da kam ich für mich zum Schluss, das das Bewusstsein des Menschen mit der "künstlichen Intelligenz" der Maschinen verschmilzt. Aber um zum Thema zurückzukommen. Ich [...] mehr...
Und warum ist die Lebenserwartung heute mindestens doppelt so hoch, wie einst in der Antike? Der Knick Antike-Mittelalter (Lebenserwartung 35 zu 28 Jahren) hat auch etwas mit der Kulturrevolution des aufkommenden Christentums [...] mehr...
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