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21.05.2008
 

Stromausfälle im Kopf

Schlafentzug lässt Gehirn gegen sich selbst kämpfen

Schlafentzug setzt dem Gehirn gehörig zu und hat drastische Leistungseinbrüche in Seh- und Aufmerksamkeitsarealen zur Folge. Die größte Gefahr dabei ist: Das Bewusstsein gaukelt - trotz Defiziten - trügerische Wachheit vor.

Washington - Stromausfall im Gehirn, die Aufmerksamkeit geht für kurze Momente rapide nach unten: Vor allem die Fähigkeit, Gesehenem einen Sinn zu verleihen und es in einen Kontext einzuordnen, geht durch Schlafentzug verloren. Das hat ein Forscherteam um Michael Chee von der Duke-Nationaluniversität von Singapur herausgefunden.

Müde am Steuer: Betroffene wiegen sich in falscher Sicherheit
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DPA

Müde am Steuer: Betroffene wiegen sich in falscher Sicherheit

Da die Beeinträchtigung jedoch nicht dauerhaft erfolge und es dazwischen immer wieder Perioden normaler Aktivität gebe, merkten die Betroffenen häufig gar nicht, dass ihnen nicht die volle Denkkapazität zur Verfügung steht. Sie wiegen sich dadurch in falscher Sicherheit, was beispielsweise bei Lkw-Fahrern für brenzlige Situationen sorgen könne.

Die Forscher haben ihre Erkenntnisse im Fachmagazin "Journal of Neuroscience" veröffentlicht. Auch bei ausgeruhten Menschen, so schreiben sie, gebe es das Phänomen, dass hin und wieder die Aufmerksamkeit kurzfristig abfalle. Allerdings hält das Gehirn für diese Fälle eine Art Notstromaggregat parat: Sobald ein Nachlassen registriert wird, springen übergeordnete Kontrollregionen im Stirn- und Schläfenbereich des Hirns an und gleichen die fehlenden Kapazitäten aus. Nach einer durchwachten Nacht nimmt die Effizienz dieses Kompensationsmechanismus jedoch messbar ab, zeigen nun die Ergebnisse von Chee und seinem Team.

Die Forscher hatten 17 Probanden einmal nach einer normalen Schlafperiode und einmal nach einem Schlafentzug von 24 Stunden Wahrnehmungstests durchführen lassen und dabei ihre Hirnaktivität überwacht. Neben der verringerten Aufmerksamkeitskompensation fanden sich vor allem Auffälligkeiten in solchen Hirnregionen, die für Sinnesreize und Wahrnehmung zuständig sind. Zwar traten dort auch nach dem Schlafentzug Perioden mit normaler Leistungsfähigkeit und Aktivität auf, berichten die Wissenschaftler. Diese wurden aber immer wieder von Phasen unterbrochen, in denen die Intensität von Wahrnehmung, Weiterleitung und Verarbeitung speziell der visuellen Reize merklich reduziert war.

Gehirn kämpft gegen sich selbst

Diese beiden Zustände spiegeln nach Ansicht der Forscher den inneren Kampf wider, der nach einem Schlafentzug im Gehirn tobt: Das Bewusstsein gibt den Befehl, wach und aufmerksam zu bleiben, während andere Teile des Gehirns bereits auf den dringend benötigten Schlaf umgestellt haben. In den wachen Phasen mit normaler Hirnaktivität habe demnach das Bewusstsein die Oberhand, wohingegen das Gehirn in den Perioden, in denen Aufmerksamkeit und visuelle Verarbeitung plötzlich absinken, offenbar unbemerkt in einen schlafähnlichen Zustand falle.

Nun wolle man untersuchen, ob sich dieses Abdriften des Gehirns zum Beispiel durch Stimulationen vermeiden lasse, erläutert Chee. So sollen Betroffene nicht nur subjektiv das Gefühl haben, volle Leistung bringen zu können, sondern auch objektiv dazu in der Lage sein.

chs/ddp

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