Washington - Wenn die Substanz GDNF beim Menschen genau so wirken würde, wie bei Ratten, dann hätte die Welt einige Millionen Alkoholiker weniger: Sebastian Carnicella und Kollegen von der University of California in Emeryville haben mit dem körpereigenen Wachstumsfaktor GDNF bei Ratten das Verlangen nach Alkohol gestoppt - innerhalb weniger Minuten.
Ratte: Der Alkoholsucht bei Ratten und Menschen liegen ähnliche Prozesse zugrunde
Die Funktionen von GDNF ("“glial cell line-derived neurotrophic factor”) sind vielfältig: Es ist wichtig für die Entwicklung von Nieren, von Motoneuronen im Rückenmark und für Nervenzellen im peripheren und zentralen Nervensystem. Es spielt womöglich auch eine Rolle bei der Bildung von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin verwenden. Eine bestimmte Gruppe dieser dopaminergen Neurone stirbt bei Parkinson ab.
Die Wissenschaftler spritzten GDNF direkt in einen Bereich des Gehirns, der eine zentrale Rolle bei Alkohol- und Drogensucht spielt: in das ventrale tegmentale Areal (VTA), einem Teil des Mittelhirns. Das VTA ist Teil des Belohnungssystems des Gehirns.
Bei Ratten, die sich durch das Drücken eines Hebels in ihrem Käfig selbst mit Alkohol versorgen konnten, ließ das Verlangen nach der Droge daraufhin innerhalb von nur zehn Minuten nach. Selbst Tiere, die an hohe Alkoholdosen gewöhnt worden waren, drückten den Hebel deutlich seltener und tranken weniger als zuvor. Auch drei Stunden nach der Verabreichung des Wachstumsfaktors zeigten die Ratten ein ähnliches Verhalten.
In anschließenden Versuchen zeigten die Forscher, dass GDNF spezifisch das Verlangen nach Alkohol reduziert. Andere Suchtformen beeinflusste es nicht: Auf Ratten, die nach einer Zuckerlösung "süchtig" waren, hatte eine Injektion von GDNF keinerlei Einfluss. Zudem wirkte es nur im VTA: Eine GDNF-Injektion in einen benachbarten Gehirnbereich verminderte den Alkoholkonsum der Ratten nicht.
Schließlich zeigten die Wissenschaftler noch, dass die Tiere nach der Gabe von GDNF nicht sofort rückfällig wurden, wenn sie nach längerer Abstinenz einen Schluck Alkohol bekamen. Dieses Ergebnis sei besonders bedeutend, da die hohe Rückfallquote das Hauptproblem bei der Behandlung von Alkoholismus sei, schreiben die Forscher.
Da der Alkoholsucht bei Ratten und Menschen ähnliche Prozesse zugrunde liegen, hoffen die Forscher, nun eine Therapie gegen Alkoholismus entwickeln zu können.
lub/dpa
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