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Neue Polizeiwaffen Science-Fiction-Schocker für den Sheriff

2. Teil: Wie Taser und andere "weiche Waffen" die Zahl der Todesopfer verringern sollen - und manchmal das Gegenteil bewirken

Denn wenn solche Waffen im Ernstfall zum Einsatz kommen sollen, muss jedes Detail stimmen. Muller weiß das. Seit 21 Jahren ist er beim LASD, der größten US-Sheriffbehörde, die sich den Ballungsraum Los Angeles mit dem Police Department (LAPD) teilt und außerdem alle Gefängnisse verwaltet.

Wie die Praxis aussieht, hat Muller oft am eigenen Leib erlebt, als Gefängniswärter und Streifenbeamter. Etwa im Bezirk South Central, wo 1992 bei Rassenunruhen Dutzende umkamen. In jenem Jahr jagte ihm jemand mit einem SKS-Sturmgewehr "die Kugeln um die Ohren", erzählt Muller. Er feuerte zurück - und schoss dem Mann "die Brieftasche aus der Hose".

Schießen? Nicht schießen? Jahrelang trainieren Polizisten diese Sekundenbruchteilentscheidungen über Leben und Tod. Und doch: "Wir sind keine Roboter, wir sind auch nur Menschen", sagt Muller. "Wir sind zu überragenden Leistungen fähig, aber auch zu katastrophalen Fehlern." Also begann Muller, sich diesem Dilemma zu widmen. 2003 wechselte er ins "Exploration Unit" des LASD, als Assistent von Charles Heal. Der in Polizeikreisen legendäre Waffenexperte begann als Erster damit, nicht-tödliche Waffen zu erforschen. Als Heal im März in Pension ging, erbte Muller seinen Job.

Muller geht durch eine elektronisch gesicherte Stahltür in eine Art Abstellkammer. Dessen Regale sind gefüllt mit Videokassetten, Akten, Wasserflaschen - und "weichen Waffen" samt Munition. Gummibälle aller Kaliber, rote "Pepperballs", Plastikprojektile mit Leitwerken. "Alles viel komplizierter als herkömmliche Schusswaffen", sinniert Muller und wiegt eine Gaspatrone in der Hand. Warum? "Jede Person reagiert anders darauf."

Und das eben mit gelegentlich fatalen Folgen - trotz des Etiketts "nicht-tödlich". Selbst das NIJ warnt vor den potentiellen Konsequenzen der neuen Waffenarten: "Schürfwunden, Prellungen, Rippenbrüche, Augenverlust, Organschäden, Hautrisse, Schädelbrüche, Risse von Herz oder Niere, Leberrisse, Blutungen und Tod." Am umstrittensten ist dabei seit jeher der Taser. Zwar gab im vergangenen Oktober die erste großangelegte Studie über Taser-Folgen Entwarnung: Bei 1000 Einsätzen waren nur drei Menschen im Krankenhaus gelandet, gestorben war niemand. Doch nach Angaben des NIJ kam es in den USA schon zu mehr als 300 Todesfällen im Zusammenhang mit Tasern. Das NIJ klassifiziert die Waffe deshalb nicht mehr als "nicht-tödlich", sondern "weniger tödlich".

Trotzdem benutzen rund 12.000 der 18.000 US-Polizeibehörden die Elektroschocker (Werbeslogan: "Leben schützen"). Kritiker bleiben hart. Eines ihrer Argumente: Gerade die vermeintliche Folgenlosigkeit des Taser-Einsatzes verführe Polizisten dazu, die Waffe allzu leichtfertig und viel zu oft einzusetzen. "50.000 Volt sind kein Ersatz für gutes Verhandlungsgeschick", sagt Donna Lieberman, Chefin der New Yorker Bürgerrechtsorganisation NYCLU. "Was sind unsere Alternativen?", hält Muller dagegen. "Bessere Technologien reduzieren das Risiko. Seltener Tod ist besser als sicherer Tod. Und es gibt uns einen Puffer, klügere und schnelle Entscheidungen zu treffen."

Den besten Puffer dieser Art verspricht ein Apparat namens Active Denial System (ADS), auch "Schmerzstrahl" genannt. Diese mobile Antenne, entwickelt vom US-Rüstungskonzern Raytheon und derzeit noch in der rein militärischen Testphase, sendet schmerzhafte, elektromagnetische Wellen aus, die die Haut des Betroffenen genauso stimulieren wie ein Hitzestrahl von 55 Grad Celsius. Die Reichweite beträgt einen halben Kilometer.

Der "heilige Gral" der Waffenkunde aber, schwärmt Muller, wäre noch etwas ganz Anderes: ein "Phaser", wie ihn einst die Macher der TV-Serie "Raumschiff Enterprise" erfanden. Er kann quasi alles: Bösewichte ein wenig erwärmen, lähmen oder gleich ganz entmaterialisieren, und als Zeitbombe taugt er auch noch. Doch das ist natürlich nur Science Fiction - noch.

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insgesamt 12 Beiträge
Boone 01.07.2008
Die Lösung auf unsere gesellschaftlichen Probleme: Mehr Waffen! Immer schön den Teufel mit dem Belzebub austreiben und wenn´s nach der Waffenlobby und den Machtbesessenen geht soll das auch für alle Zeiten so bleiben. Lasst Euch [...]
Die Lösung auf unsere gesellschaftlichen Probleme: Mehr Waffen! Immer schön den Teufel mit dem Belzebub austreiben und wenn´s nach der Waffenlobby und den Machtbesessenen geht soll das auch für alle Zeiten so bleiben. Lasst Euch doch nicht ein X für ein U vormachen. Jeder von uns kann Opfer dieser Waffen werden. JEDER. Wer fühlt sich hier eigentlich bedroht? Doch nur diejenigen die diese Waffen so unbedingt haben wollen. Die Mehrheit de Bevölkerung sicher nicht. Nicht mal annähernd.
Colorful 01.07.2008
Spiegel sitzt mal wieder in der letzten Reihe. Taser gibt es schon seit mehr 20 Jahren. So mancher Schusswaffeneinsatz mit Todesfolge auch in unserem Lande hätte nicht sein müssen, wenn diese Waffen zur Standard Ausrüstung gehören [...]
Spiegel sitzt mal wieder in der letzten Reihe. Taser gibt es schon seit mehr 20 Jahren. So mancher Schusswaffeneinsatz mit Todesfolge auch in unserem Lande hätte nicht sein müssen, wenn diese Waffen zur Standard Ausrüstung gehören würden. Aber sie müssen richtig eingesetzt werden. Gute Anleitung und Aufklärung ist notwendig. Es ist eine gefährliche Waffe und darf nur dort Verwendung finden, wo sonst eine Schusswaffe zum Einsatz käme.
don_tango 01.07.2008
Wie reagieren Menschen mit Herzschrittmacher auf Teaser oder Schwangere? Wann soll es eingesetzt werden? Wenn Menschen unter Drogeneinfluss der Polizei keine Folge leisten, wer auf Demonstrationen nicht völlig regungslos auf dem [...]
Wie reagieren Menschen mit Herzschrittmacher auf Teaser oder Schwangere? Wann soll es eingesetzt werden? Wenn Menschen unter Drogeneinfluss der Polizei keine Folge leisten, wer auf Demonstrationen nicht völlig regungslos auf dem Boden liegen bleibt oder wer bei Verkehrskontrollen partout nicht aus dem Auto steigen will? Bei Missverständnissen und menschlichem Versagen kann es schnell jeden treffen, nicht nur gewaltbereite Rowdies, auch angetrunkene Fußballfans, friedliche Demonstranten, Berufspendler, etc. Was ist bei einer Fehlfunktion? ZB. wenn sich das Gerät nicht mehr abschalten lässt? Ich glaube in dem Fall wünscht sich jeder, ach hätte der gute Polizist doch lieber mit seiner Waffe auf mich geballert... ;-(
Eukalyptusbonbon 01.07.2008
Am Freitag wiederholt ARTE einen sehr guten Dokumentarfilm zum gleichen Thema. Freitag, 4. Juli 2008 um 09.55 Uhr "Nicht-tödliche Waffen" (Deutschland, 2007, 123mn) Hier kann man sehr schön sehen, wie sehr die [...]
Am Freitag wiederholt ARTE einen sehr guten Dokumentarfilm zum gleichen Thema. Freitag, 4. Juli 2008 um 09.55 Uhr "Nicht-tödliche Waffen" (Deutschland, 2007, 123mn) Hier kann man sehr schön sehen, wie sehr die Hemmschwelle der "ausführenden Organe" gesunken ist, wenn es darum geht echte und vermeintliche Störer z.B. bei Demonstrationen unter staatliche Kontrolle zu bringen.
Hesekiel 01.07.2008
Und wie reagieren Menschen mit Herzschrittmacher oder Schwangere auf die Walter oder irgend ein anderes Standartverteidigungsinstrument der Polizisten der Welt? Oder auf einen Warnschuss in Arm oder Bein? In Verbindung mit [...]
Und wie reagieren Menschen mit Herzschrittmacher oder Schwangere auf die Walter oder irgend ein anderes Standartverteidigungsinstrument der Polizisten der Welt? Oder auf einen Warnschuss in Arm oder Bein? In Verbindung mit sinnvollen Richtlinien für oder gegen den Einsatz retten solche Geräte Leben. Natürlich gibt es Todesfälle, wenn ein Verdächtiger über Minuten getasert wird weil er zuckt, das Risiko, als Verdächtiger von Polizisten mit Schusswaffen direkt zur Strecke gebracht zu werden bleibt aber weit höher - gerade in Amerika. Nicht zu vergessen auch die psychischen Folgen für jene, die in akuter Paniksituation tatsächlich einmal einen Verdächtigen erschossen haben, wieviel mehr Sicherheit hätte da die Ausrüstung mit Tasern gebracht! Fazit, da ein Polizist nach allgemeiner Auffassung bewaffnet sein sollte, kann ein Taser in Verbindung mit Richtlinien eine angemessenere Reaktion des Polizisten auf Gefahren ermöglichen ..
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