Von Heike Le Ker
Susannah Baruch, Direktorin der Abteilung Reproduktive Genetik am Genetics and Bublic Policy Center an der Johns Hopkins University in Washington DC:
"Heute wird die Präimplantationsdiagnostik genutzt (in Deutschland verboten, Anm. d. Red.), um bei einer Befruchtung im Reagenzglas nach einzelnen Gendefekten zu suchen: zum Beispiel bei einer Familie, in der ein Kind gestorben ist. Ich glaube, dass die Genetik auch weiterhin eine große Rolle spielen wird in der Reproduktionsmedizin. Die größere Frage ist dabei: Was werden die Menschen in Zukunft testen lassen?
Es gibt viele Spekulationen, dass Menschen Designer-Babys haben werden, aber ich glaube nicht, dass es genug Studien gibt, um diese Vorstellung zu untermauern. Das Schreckensgespenst von Menschen, die das perfekte Kind wollen, basiert auf einer falschen Annahme: Kein einzelnes Gen sagt voraus, ob ein Kind blond, groß oder dünn wird oder was auch immer dem "perfekten Baby" entspricht. Man kann eventuell genetische Faktoren finden, aber es gibt auch so viele Umwelt-Einflüsse.
Viel wahrscheinlicher ist, dass man eine ganze Sammlung von Embryonen hat, und dass man jedes Detail von jedem Gen in jedem Embryo kennen wird. Zum Beispiel könnte ein Embryo drei Gene haben, die für Größe zuständig sind, zwei für Schwäche, drei für schlechtes Sehen und einige für Krankheiten; und der nächste Embryo hat einen anderen Gen-Satz. Das sind sehr komplizierte Daten. Das heißt also nicht, dass man von Grund auf ein neues Baby kreiert. Niemand von uns ist perfekt, und keiner unserer Embryos wird es sein.
Ich glaube, dass wir den Punkt erreichen werden, an dem wir sehr viele Informationen für Eltern parat haben, aber nicht wissen, wie sinnvoll dieses Wissen ist und wie viele Eltern es überhaupt besitzen wollen. Ich glaube, dass wir es schon in den nächsten zehn Jahren schaffen werden, diese Informationen zu bekommen, ohne dem Embryo zu schaden. Aber ich weiß nicht, wie viel diese Technologie genutzt werden wird.
Werden Menschen die In-vitro-Fertilisation nutzen, um genetische Optionen zu haben? IVF ist teuer und unangenehm. Die herkömmliche Art, Babys zu zeugen ist viel billiger, bringt mehr Spaß und wird auch in den nächsten 30 Jahren nicht aussterben."
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