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22.07.2008
 

Genmanipulation

Tabakpflanze liefert individuellen Krebsimpfstoff

Der Körper wehrt Tumorzellen ab: Ein neuer Impfstoff gegen Lymphknotenkrebs soll das menschliche Immunsystem befähigen, die Krankheit effektiv zu bekämpfen. Erste Versuche mit einem gentechnisch neuen Wirkstoff verliefen vielversprechend.

Maßgeschneiderter Impfstoff statt harter Chemotherapie: US-Forscher haben mit Hilfe genmanipulierter Pflanzen für Krebspatienten einen Wirkstoff hergestellt, der das Immunsystem jedes Betroffenen individuell anfeuern soll. Die Wissenschaftler identifizierten dadurch die individuellen Antigene und schleusten deren Gensequenz über ein ebenfalls manipuliertes Virus in Tabakpflanzen ein. Diese produzierten dann in wenigen Tagen eine für die Therapie ausreichende Menge an Antigenen, die die Forscher wiederum als Impfstoff einsetzten. Das berichten Alison McCormick von der Touro University in Vallejo und ihre Kollegen im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Tabakpflanze: Das Kraut soll in Zukunft für die Therapie von Patienten mit Lymphknotenkrebs genutzt werden.
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AP

Tabakpflanze: Das Kraut soll in Zukunft für die Therapie von Patienten mit Lymphknotenkrebs genutzt werden.

Die Forscher hoffen, zukünftig mit diesen Antigenen Patienten mit B-Zell-Lymphomen - einer speziellen Krebsart des Lymphsystems - impfen zu können. Die bei der Krankheit sich unkontrolliert teilenden, kranken Immunzellen unterscheiden sich alle in ihren molekularen Eigenschaften. Die Forscher nutzen dies aus, indem sie den Patienten Antigene injizierten, die das Immunsystem dazu stimulierten, die bösartigen Zellen zu finden und zu vernichten.

Ob das Mittel stark genug sei, um Tumore zu zerstören, sei noch nicht sicher, hieß es in der am Montag veröffentlichten Studie der Universität Stanford. "Der Grundgedanke ist, das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung des Krebses heranzuziehen", sagte Ronald Levy, Mitautor der Studie. Er zeigte sich optimistisch, was die Wirkung des Impfstoffes betrifft: "Wir wissen, dass ein angekurbeltes Immunsystem Krebs angreifen und vernichten kann."

Das Forscherteam testete den Impfstoff an 16 Patienten, bei denen kurz zuvor ein Lymphom festgestellt worden war. Keiner der Patienten habe Nebenwirkungen verspürt und mehr als 70 Prozent der behandelten Kranken hätten eine Reaktion des Immunsystems gezeigt, heißt es in der Studie.

Vorherige Versuche, einen Impfstoff in tierischen Zellkulturen zu produzieren, brachten nur mäßigen Erfolg. Die Produktion der Impfstoffe in Pflanzen hat hingegen immense Vorteile. Da die Antikörper individuell verschieden sind, brauchen die Patienten auch individuelle Impfstoffe. Diese jedoch in tierischen Zellkulturen zu erzeugen, dauert jeweils einige Monate, birgt immer das Risiko von Infektionen und ist zudem sehr teuer. Außerdem erzeugten die pflanzlich hergestellten Impfstoffe wahrscheinlich eine stärkere Immunantwort, vermuten die Wissenschaftler.

Die Ironie, gerade Tabakpflanzen für die Entwicklung von Krebsimpfstoffen zu verwenden, ist den Wissenschaftlern durchaus bewusst. Schädliche Chemikalien, die auch in Zigaretten vorhanden sind, befinden sich jedoch nicht in den Impfstoffen. Die eingesetzten Tabakpflanzen sind also eine billige und schnelle Alternative für die Produktion von Impfstoffen. Nun müssen die Forscher in weiteren Studien die Effektivität der Behandlung mit diesen Pflanzenimpfstoffen testen.

hda/ddp/AFP

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