Das wäre die Medizin der Zukunft: Einem ALS-Kranken (Amyotrophe Lateralsklerose) entnimmt man eine beliebige Körperzelle, verwandelt sie in eine Stammzelle, korrigiert das defekte Gen, züchtet aus ihr neue Nervenzellen und pflanzt sie dem Patienten wieder ein. Keine Abstoßungsreaktion, keine Medikamente, kein neuerliches Sterben von Nervenzellen. Der Patient wäre geheilt.
Gezüchtete ALS-Motoneuronen: Die Krankheit an den Zellen studieren
Bei der Erkrankung gehen die sogenannten Motorneuronen langsam zugrunde, die Nervenimpulse vom Rückenmark zu den Muskeln leiten. Es kommt zu einer schleichenden Lähmung der Muskeln, einschließlich der Atemmuskulatur, und dadurch schließlich zum Tod.
Die Umwandlung von Hautzellen erwachsener Menschen in unspezialisierte Zellen, die embryonalen Stammzellen ähneln, ist bereits in verschiedenen Laboratorien gelungen. Dazu werden die vier Gene Oct4, Sox2, Klf4 und c-Myc mit Hilfe von Viren in das Erbgut eingeschleust.
Die so produzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) lassen sich unendlich vermehren und in jedes spezialisierte Gewebe des Körpers verwandeln. Auf diese Weise haben die Wissenschaftler nun also im Prinzip Ersatzzellen für die erkrankten Zelltypen gewonnen, und zwar mit den individuellen genetischen Merkmalen der Patienten. Abstoßungsreaktionen des Immunsystems werden dadurch im Fall einer Transplantation vermieden.
Eine Therapie ist allerdings noch in weiter Ferne, weil iPS-Zellen eine Krebsgefahr in sich bergen. Manche der eingeschleusten Gene sind Krebsgene, zudem schleusen auch die Viren ihr Erbgut in die Zellen ein. Im Tierversuch haben Forscher allerdings bereits gezeigt, dass sich Krankheiten mit Hilfe der iPS-Zellen behandeln lassen. Bei Mäusen hatten sie Symptome der Parkinson-Erkrankung deutlich gelindert. Und auch an der Verbesserung der Reprogrammierung arbeiten Wissenschaftler. So gelang kürzlich einem Team um den deutschen Stammzellforscher Hans Schöler, die Reprogrammierung mit nur zwei Genen.
Der Erfolg der US-Forscher besteht darin, gezeigt zu haben, dass sich auch iPS-Zellen aus den Körperzellen älterer Patienten mit schweren chronischen Krankheiten gewinnen lassen. Das war bislang noch umstritten. Nun wollen sie mit Hilfe der Zellen vor allem die Grundlagen der Erkrankung erforschen und möglicherweise neue Medikamente entwickeln.
lub/dpa/ddp
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