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06.08.2008
 

Schwermetall-Belastung

Foodwatch fordert Angabe der Uranwerte auf Wasserrechnung

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch wirft Städten und Gemeinden eine unzureichende Informationspolitik vor. Bürger müssten auf der Wasserrechnung erfahren, wenn die Uranbelastung von Trinkwasser die für Säuglinge empfohlene Grenze überschreitet.

Berlin - "Die Informationshoheit der Beamten zählt mehr als das Informationsrecht der Bürger", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode der "Berliner Zeitung". "Deshalb fordern wir die Informationspflicht auf der Wasserrechnung, und zwar sobald der Wert über zwei Mikrogramm liegt, also der für Säuglingsnahrung geltenden Obergrenze." Nach gesetzlichen Vorgaben müssten schon heute Verbraucher darüber informiert werden, wenn Gefahren für die Gesundheit bestehen.

Wasseranalyse im Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit: "Nur ein punktuell auftretendes Problem"
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AP

Wasseranalyse im Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit: "Nur ein punktuell auftretendes Problem"

Foodwatch hatte bundesweit von Behörden Daten über die Uranbelastung von Trinkwasser angefordert. Bei 8000 Proben habe es 150 Fälle gegeben, bei denen die Uranmenge über dem Leitwert des Umweltbundesamtes gelegen habe, der bei zehn Mikrogramm Uran pro Liter Trinkwasser liegt, teilte die Verbraucherschutzorganisation mit. In hohen Dosen kann Uran nierenschädlich sein.

Die Zwei-Mikrogramm-Marke für Mineralwässer zur Ernährung von Säuglingen hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgelegt, damit sich teuer beworbene Mineralwässer vom Leitungswasser abheben. Die Grenze sei "nicht gesundheitlich abgeleitet", erklärte das BfR.

Das Schwermetall Uran kommt natürlich in bestimmten Gesteinsarten vor und gelangt auf diese Weise auch ins Trinkwasser. Aber auch Aktivitäten des Menschen können höhere Uranwerte zur Folge haben, etwa der Abbau von Kupferschiefer oder der intensive Einsatz von Phosphaten in der Landwirtschaft.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte dagegen vor überzogenem Aktionismus. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Kommunen nähmen gesundheitliche Risiken durch Uran ernst. Hinsichtlich des erhöhten Urangehalts handele es sich aber "nur um ein punktuell auftretendes Problem". Es gebe es bislang keinen verbindlichen Grenzwert, sondern lediglich Richtwerte. Die von Foodwatch erarbeitete Studie habe in 98 Prozent der Fälle einen Messwert ermittelt, der deutlich unter dem Richtwert des Umweltbundesamtes von 10 Mikrogramm pro Liter liege. Wenn Bund und Länder verbindliche Grenzwerte vorschreiben wollten, müssten sie zugleich sicherstellen, dass die damit verbundenen Kosten für zusätzliche Uranfilteranlagen auch finanziert werden.

Auch die Versorger warnten vor übertriebener Aufregung. "Die Debatte ist nichts Neues", sagte Berthold Niehus, Bereichsleiter bei der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW) in Bonn, der "Frankfurter Rundschau". Die Uran-Werte seien bekannt. Zudem gelte für die meisten deutschen Regionen Entwarnung. Betroffen seien einzelne "Hotspots". Bereits im April habe der Verband seine Wasserwerke angeschrieben und auf Lösungsmöglichkeiten hingewiesen. Oftmals reiche es, die Zulaufbereiche von Brunnen abzuschotten. Das Uran trete meist in "Nestern" in der Erde auf. "Wenn ein Brunnen zufällig in ein solches Nest abgeteuft wurde, kann ein nahe gelegener anderer bereits gering belastet sein", erläuterte Niehus. Außerdem könne man belastetes Wasser mit weniger belastetem mischen, um niedrige Werte zu bekommen.

hda/ddp

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