3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann noch 42 Kilometer laufen - das soll gesund sein? Mediziner sind sich einig, dass regelmäßiger Sport Gesundheit und Wohlbefinden verbessert. Bei Extrembelastungen wie Marathon oder dem noch wesentlich härteren Ironman gehen die Meinungen hingegen auseinander.
Nicht nur dass mancher Hobbyathlet sich überlastet, weil der Ehrgeiz größer ist als die Kondition. Bei Untersuchungen von Ultralangläufern haben Forscher zudem Indizien für ein erhöhtes Gesundheitsrisiko entdeckt. Ursache ist der starke oxidative Stress. Dabei entstehen reaktive Formen von Sauerstoff und Stoffwechselprodukte, die Zellen- und Zellbestandteile prinzipiell schädigen können. Aber tun sie das auch?
Diese Frage haben jetzt Mediziner der Universität Wien beantwortet. Starke körperliche Belastung provoziere zwar oxidativen Stress, verursache in der Folge aber keine nachhaltigen DNA-Schäden, schreiben Karl-Heinz Wagner und seine Kollegen im Fachblatt "Cancer Epidemiol Biomarkers & Prevention".
Wagners Team untersuchte 42 männliche Teilnehmer des Ironman Austria. Das österreichische Forschungsteam sammelte Blutproben der Triathleten zu insgesamt fünf Zeitpunkten: Zwei Tage vor dem Rennen sowie 20 Minuten und eineinhalb beziehungsweise 19 Tage nach dem Rennen. Bei 24 Teilnehmern wurde die DNA auf Schäden analysiert.
"Den kurzfristigen Anstieg einiger Indikatoren für oxidativen Stress während des Wettbewerbs konnten wir sehr gut belegen und haben diese Ergebnisse auch bereits publiziert", berichtet Wagner. Jetzt habe man zeigen können, dass es trotz dieses Anstiegs zu keinen nennenswerten und dauernden Schäden der DNA der Sportler gekommen sei. "Ein Ergebnis, das überrascht und zunächst im Widerspruch zu Daten aus ähnlichen Studien zu liegen scheint", sagt der Mediziner.
Aktiviert das Training Gegenmechanismen?
Die Forscher verwiesen auf kürzlich publizierte Studien, die während eines Ultramarathons einen Anstieg von DNA-Schäden bei Läufern ergeben hatten. Gleiches galt für Marathonläufer unmittelbar nach dem Rennen. Diese Ergebnisse seien mit der neuen Wiener Studie aber nicht zu vergleichen, betonen die Forscher. Die körperliche Belastung bei den Wettbewerben habe weder länger als acht Stunden gedauert, noch wurden die Daten über einen so langen Zeitraum vor und nach dem Rennen erhoben.
"In den vergleichbaren Studien wurden andere, vor allem kurzlebige DNA-Schäden analysiert", sagt Stefanie Reichhold, die an der Untersuchung beteiligt war. "In unserer Studie konzentrierten wir uns vor allem auf Schädigungen der DNA, die sich nach der Zellteilung auch in Tochterzellen wiederfinden und somit zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung des Körpers führen können." Hier könne man Entwarnung geben, "unsere Studie zeigt klar, dass es in diesem Fall zu keiner Erhöhung der untersuchten DNA-Schäden durch extremen Leistungssport kam".
Wagners Team folgert daraus, dass ein austrainierter Körper auf erhöhten oxidativen Stress - und die damit einhergehende Gefahr von DNA-Schäden - mit verstärkter Aktivierung von Gegenmechanismen reagiert. Dies können zum einen DNA-Reparaturmechanismen sein, zum anderen aber auch Maßnahmen zur Bekämpfung der ursächlichen freien Sauerstoffradikale. Diese Interpretation stehe im Einklang mit anderen bereits publizierten Ergebnissen aus dieser Studie, die eine sehr rasche und heftige entzündliche Reaktion des Körpers während der Belastung zeigen und ein ebenso rasches Abklingen dieser physiologischen Vorgänge.
hda
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