London - Wer teilt schon gern Süßigkeiten? Doch genau dazu wollten Forscher aus der Schweiz und Deutschland eine Gruppe von drei- bis achtjährigen Kindern bringen. Je nach Alter der jungen Probanden zeigten sich gehörige Unterschiede: Drei- bis vierjährige Kinder verhielten sich völlig egoistisch und behielten alle Süßigkeiten für sich allein, während von den Sieben- bis Achtjährigen rund die Hälfte dazu neigte, mit anderen zu teilen, berichten Ernst Fehr von der Universität Zürich und seine Kollegen im Fachmagazin "Nature" (Bd. 454, S. 1079).
Die Wissenschaftler hatten insgesamt 229 Kinder im Alter von drei bis acht Jahren zu einer Reihe spielerischer Experimente aufgefordert. Spieleinsatz waren die für Kinder wohl kostbarsten Güter: Süßigkeiten. Jeweils ein Kind musste nun entscheiden, wie es eine festgelegte Menge von Süßigkeiten mit einem anderen - nicht anwesenden - Kind teilte. Sie bekamen zum Beispiel die Wahl, zwei Schokolinsen für sich zu behalten und dem anderen Kind keines abzugeben oder die beiden Schokodrops eins zu eins untereinander zu teilen.
Der Hälfte der Kinder wurde erzählt, dass sie ihre Belohnung mit einem Kind aus ihrem eigenen Kindergarten beziehungsweise der eigenen Schule teilen müssten. Die andere Hälfte sollte ihre Süßigkeiten mit Kindern aus anderen Schulen und Kindergärten teilen. Außerdem durften sie ihre Entscheidung, ob sie ihre süßen Ressourcen teilen oder nicht, nur einmal fällen. Auf diese Weise wollten die Forscher ausschließen, dass die Kinder durch dieses Verhalten umgekehrt die Entscheidungen von Altersgenossen, die mit ihnen teilen sollten, zu ihren Gunsten beeinflussen.
Drei- bis vierjährige Kinder verhielten sich fast ausnahmslos selbstsüchtig und behielten die Schokolinsen für sich. Im Alter von fünf bis sechs Jahren teilten immerhin schon rund ein Fünftel der kleinen Probanden ihre Süßigkeiten. Aber erst mit sieben, acht Jahren teilte fast die Hälfte der Kinder gerecht. Diese Gruppe begann mehr und mehr, an andere zu denken, das zeigten auch weitere Experimente. Sie entwickelten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sorgten dafür, dass ihr Spielpartner nicht mehr, aber auch nicht weniger bekam als sie selber.
Selbstlos an andere zu denken und bevorzugt mit Freunden oder Familienmitgliedern zu teilen, seien Verhaltensweisen, die für den Menschen kennzeichnend seien, schreiben die Forscher. Schon die Gemeinschaften der Jäger und Sammler seien darauf angewiesen gewesen, ihre Beute miteinander zu teilen.
Zumindest zum Teil sei die Entstehung solcher Verhaltensweisen deswegen wohl genetisch festgelegt. Andererseits förderten auch Kultur und Erziehung ihr Entstehen. So lernten kleine Kinder vom Kindergarten bis zur Schule, dass die Erzieher und Lehrer Gleichbehandlung und Gerechtigkeit gutheißen, diese Verhaltensweisen also gewünscht sind.
Der Wunsch, Ungleichbehandlungen zu verhindern, unterscheide uns von anderen Tieren und auch von unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, schreiben die Forscher. Diese teilten ihr Futter in der Regel nicht mit anderen und blieben ihr Leben lang eher selbstsüchtig.
Kapuzineraffen hingegen scheinen einer aktuellen Untersuchung zufolge durchaus auch an andere zu denken: Vor die Wahl gestellt, nur sich selbst oder auch einen Partner mit Futter zu versorgen, entscheiden sich die Tiere meist für die letztere, soziale Variante. Ähnlich wie Menschen scheint es den Affen Freude zu bereiten, anderen etwas Gutes zu tun.
chs/ddp/dpa
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Tut mir leid, aber das ist etwas naiv von Ihnen. Unsere Einkommensstruktur basiert auf dem progressiven Steuersystem. Also wer mehr verdient, zahlt selbst prozentual mehr Steuern. Teilt also mit der Gesellschaft und deren [...] mehr...
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Soziales Verhalten ist kein abstrakter Wert, sondern eben eine Überlebensstrategie wie jede andere auch. Vermutlich ist einfach eine gewisse Komplexität des Denkens notwendig, um die Vorteile einer solchen Strategie zu erfassen. [...] mehr...
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