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29.08.2008
 

Archäologie

Amazonas-Völker bauten Städte im Urwald

Sie bauten schon Städte, bevor die Spanier kamen: Im Amazonas-Gebiet Brasiliens haben Archäologen Überreste städtischer Siedlungen und Straßen gefunden. Bis zu 50.000 Menschen könnten dort einst gelebt haben, vermuten die Forscher.

Bereits vor Ankunft der Europäer gab es am Amazonas eine städtische Zivilisation. Ein Forscherteam aus Brasilien und den USA hat Spuren von Siedlungen, Straßennetzen und einer halbintensiven Landnutzung in der oberen Xingu-Region am brasilianischen Amazonas gefunden, die Anzeichen für eine gut organisierte Gesellschaft sind. Die Funde deuteten auf ein hierarchisch gegliedertes Netzwerk kleinerer Siedlungen hin, das auf ein politisches, rituelles Zentrum ausgerichtet gewesen sei, schreiben Michael Heckenberger von der Universität von Florida in Gainesville und seine Kollegen im Fachmagazin "Science" (Bd. 321, S. 1214).

Verteidigungsgraben im Amazonas-Gebiet: Hierarchisch gegliedertes Netzwerk kleinerer Siedlungen
DDP

Verteidigungsgraben im Amazonas-Gebiet: Hierarchisch gegliedertes Netzwerk kleinerer Siedlungen

Das obere Xingu-Becken ist Teil des dichten, immergrünen Regenwalds im Kern des Amazonas-Gebiets, das in die savannenähnliche Landschaft des brasilianischen Hochgebirges übergeht. Hier entdeckten die Forscher 28 Siedlungsgebiete, die wahrscheinlich vor 750 bis 450 Jahren gegründet worden waren. Die größten dieser stadtähnlichen Siedlungen waren umgeben von einem ein bis drei Meter tiefen und fünf bis zehn Meter breiten Graben, der sich auf bis zu zwei Kilometer Länge erstrecken konnte. Mit den Gräben verbunden waren mit hölzernen Palisaden bestückte Wälle. Innerhalb dieser geschützten Siedlungen fanden die Forscher Überreste von Häusern und Kochutensilien aus Keramik.

Größere und kleinere Ansiedlungen dieser Art kommen immer zu kleinen Gruppen zusammengeschlossen vor. Jede dieser Gruppen, wie auch die Siedlungen selbst, hatte einen gemeinsamen Zeremonien-Platz von etwa 150 Metern Durchmesser, der als rituelles Zentrum und vielleicht auch als Friedhof genutzt wurde, wie die Forscher erläutern. Verbunden wurden die Siedlungen durch ein gut ausgebautes Straßennetz.

In diesen Ansammlungen von Siedlungen lebten wahrscheinlich bis zu 2500 Menschen, wobei auf die befestigten größeren Siedlungen etwa tausend Personen kamen und auf die kleineren Dörfer je etwa 250. Die Gesamtpopulation dieses Gebiets schätzen die Forscher auf bis zu 50.000 Menschen. Gelebt haben die Einwohner wohl von Maniokanbau, Holzwirtschaft und wahrscheinlich auch Fischzucht, wie künstlich angelegte Teiche und Dämme bezeugen.

Die neuen Funde sollten die Sichtweise auf die Entwicklung früher städtischer Gesellschaften verändern, schreiben die Wissenschaftler. Nach ihrer Einschätzung stehen diese multizentrischen, stadtartigen Siedlungen den großen städtischen Ballungsräumen alter europäischer Kulturen nicht nach, sondern sind einfach eine Anpassung an die vorherrschenden Bedingungen im dichten Regenwald. Zudem zeige die Entdeckung, dass das, was heute als unberührter Urwald gilt, tatsächlich stark durch menschliche Einflüsse geprägt ist. Die ungewöhnliche Form der präkolumbischen Besiedlung könnte möglicherweise in Zukunft als Modell dafür dienen, wie das Gebiet nachhaltig besiedelt und genutzt werden kann.

lub/ddp

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