Chicago - Dass Bewegung nicht schadet, ist weit mehr als nur eine uralte Binsenweisheit. In den vergangenen Monaten und Jahren hat eine ganze Reihe von Studien belegt, dass regelmäßige Bewegung mitunter gar ebenso gut wirken kann wie eine Behandlung mit Medikamenten. Das Risiko von Parkinson, Alzheimer oder Depressionen lasse sich auf diese Weise senken, haben Forscher herausgefunden. Auch zur Behandlung von Hirnleiden und in der Krebstherapie sei körperliche Aktivität nützlich.
Neue Forschungsergebnisse aus Australien bestätigen nun die positiven Effekte: Forscher um Nicola Lautenschlager von der University of Melbourne hatten sich eine Gruppe von 138 Menschen ab 50 Jahren angesehen. Sie alle lebten im australischen Perth - und hatten von Erinnerungsproblemen berichtet, wiesen aber noch keine krankhafte Demenz auf.
Einen Teil der Probanden überredeten die Wissenschaftler zu regelmäßiger Bewegung, zunächst sechs Monate lang dreimal 50 Minuten leichter Sport pro Woche. Die meisten Menschen gingen spazieren, und zwar auch noch in den Monaten nach dem Trainingszeitraum. Doch schon nach sechs Monaten habe sich ein positiver Effekt auf das Gedächtnis gezeigt, berichten die Forscher im "Journal of the American Medical Association" (Bd. 9, S. 1027).
Die Sporttreibenden schnitten auf einer 70-stufigen Alzheimerskala (ADAS-cog) um 1,3 Punkte besser ab als die Menschen der Vergleichsgruppe. Die Skala ADAS-cog (Alzheimer's Disease Assessment Scale - cognitive subscale) reicht laut dem deutschen Kompetenznetz Demenzen von 0 (gesund) bis 70 (schwere Demenz). Gemessen werden Gedächtnis, Orientierung, Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen, Sprache und praktische Fähigkeiten.
Zum Ende der Studie nach 18 Monaten lagen die Probanden der Sportgruppe im Test auf der Alzheimerskala im Schnitt um 0,69 Punkte höher als die der Vergleichsgruppe. Dies sei zwar ein relativ geringer Wert, aber möglicherweise bedeutend, wenn man die insgesamt nur relativ geringe Bewegung der Sportgruppe in Betracht ziehe, sagte Lautenschlager. Der Erfolg sei zudem größer als derjenige von herkömmlichen Medikamenten. Nach Angaben der Forscher gibt es derzeit weltweit 27 Millionen Alzheimerkranke. Bis 2050 könnten es 106 Millionen sein.
chs/dpa
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