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14.09.2008
 

Evolution

Vögel zeigen, wie sich Sprache entwickelt hat

Nahm die Sprache ihren Ursprung in Gesten und Lauten? Die Psychologin Irene Pepperberg ist davon überzeugt. Auf Grund ihrer Studien an Graupapageien glaubt sie, dass man an Vögeln die Evolution der Sprache nachvollziehen kann.

Die Internetzeitschrift " Edge" versammelt in einer legendären Serie Beiträge der renommiertesten Wissenschaftler der Welt - und stellt ihnen unter anderem die Frage: Was halten Sie für wahr, ohne es beweisen zu können? SPIEGEL ONLINE präsentiert ausgewählte Antworten.

Ich glaube, kann jedoch nicht beweisen, dass die menschliche Sprache aus einer Kombination von Gesten und angeborenen Lauten hervorging, parallel zur Evolution von Spiegelneuronen, und dass Vögel das beste Modell für die Sprachevolution abgeben.

Irene Pepperberg und Graupapagei Alex: Das beste Modell für die Sprachevolution
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Alex Foundation

Irene Pepperberg und Graupapagei Alex: Das beste Modell für die Sprachevolution

Die Erforschung der Spiegelneuronen (die feuern, wenn man selbst eine bestimmte Handlung ausführt, aber auch, wenn man diese nur bei anderen beobachtet) hat im Lauf des vergangenen Jahrzehnts interessante Belege (wiewohl noch keine sicheren Beweise) für die gestischen Ursprünge der Sprache geliefert. Der sogenannten Spiegelneuronen-Hypothese zufolge war nur eine geringe Umorganisation des nichtmenschlichen Primatengehirns erforderlich, um jene Schaltungen zu erzeugen, die dem Spracherwerb/-erlernen zugrunde liegen. Bei der Hypothese fehlt lediglich ein Modell für die Entwicklung der Sprache aus der Rede, und in dieser Hinsicht hielte ich ein Modell auf der Basis der Lautbildung bei Vögeln für besonders wertvoll.

Zunächst einiges zum Hintergrund: Bei den Sperlingsvögeln unterscheidet man zwischen den Singvögeln (Passeri), die ihre Gesänge lernen, und den Schreivögeln (Tyranni), die scheinbar ein begrenztes Repertoire mitbringen. Erstere haben eine klar gegliederte neurale Architektur mit entsprechenden Lernmechanismen; bei Letzteren fehlen diese, doch besitzen sie eindeutig die für das Hervorbringen von Gesängen nötigen Strukturen des Gehirns und des Vokaltrakts. Analog zu nichtmenschlichen Primaten setzen die Schreivögel diverse Verhaltensweisen oder Gesten ein (Positur, mehrfache Gesangswiederholung, Aufstellen der Federn, Flugfiguren und so fort), um ihre Laute zu kommentieren.

W. John Smith kann zum Beispiel die Aktionen von Fliegenschnäppern aus der Kombination von Haltung, Flugfigur und Gesangsmuster ableiten. Wie Menschenkinder ihre Sprache, lernen Singvögel ihre Laute nicht stumm passiv, sondern müssen Gesänge hörend nachzwitschern und üben, bevor sie die Kompetenz von Erwachsenen erwerben. In neueren Studien haben G. J. Rose und seine Kollegen gezeigt, dass sie sogar die Syntax ihrer Gesänge erlernen und frühzeitig aufgenommene paarweise Phrasierungen später zu erwachsenen Gesängen kombinieren. Solche Daten darüber, wie Sperlinge Informationen über zeitlich aufeinander bezogene Ereignisse aufgreifen und benutzen, um eine sequenzielle Lautbildung zu entwickeln, geben ein tragfähiges Modell für den menschlichen Syntaxerwerb ab.

Nun weiß niemand, ob Vögel überhaupt Spiegelneuronen haben und was diese gegebenenfalls bewirken würden. Interessante Hinweise ergeben sich aus neuralen Daten darüber, wie Vögel auf ihre eigenen Gesänge reagieren (nicht direkt währenddessen, sondern wenn man sie ihnen vom Band vorspielt). Ich prognostiziere (a) die Existenz von Spiegelneuronen bei Singvögeln, (b) ihre grundlegende Bedeutung für die Gesangsentwicklung und (c) das Vorhandensein nur primitiver Formen von Spiegelneuronen bei Schreivögeln (analog zur Situation bei Menschen und Affen).

Wie steht es nun mit der Suche nach dem fehlenden Bindeglied zwischen erlerntem und nicht erlerntem Vokalverhalten? Zwar hat bislang bei Primaten niemand ein solches gefunden, aber Donald Kroodsma berichtete jüngst über einen Fliegenschnäpper (angeblich der Art Tyranni), der seinen Gesang erlerne. Dieser sei einfach, aber mit Variationen, die gleichsam "Dialekte" verschiedener Vogelgruppen bildeten. Auch wenn heute noch niemand weiß, ob diese Vögel Gehirnmechanismen für das Erlernen von Gesängen haben, oder wie diese aussehen könnten, nehme ich an, dass man bei Kroodsmas Fliegenschnäppern Spiegelneuronen feststellen wird, die als Übergang zwischen den Sing- und den Schreivögeln fungieren und als Modell für das fehlende kommunikative Bindeglied zwischen Primaten und Menschen dienen können.

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