Mit dem menschlichen Erbgut kennen sich die Forscher der Leicester University gut aus. 1984 entwickelte Alec Jeffreys hier die Methode des genetischen Fingerabdrucks, mit der seitdem Tausende Verbrechen weltweit aufgeklärt wurden. Kleinste DNA-Spuren am Tatort reichen aus, um den Täter zu überführen.
Nun haben die Wissenschaftler aus Leicester eine Technik entwickelt, mit der sie aus der DNA Rückschlüsse auf den Nachnamen einer Person ziehen können. Die Methode könnte nicht nur Ermittlern bei der Tätersuche helfen, sondern auch in der Genealogie eingesetzt werden, um die Herkunft von Menschen zu klären.
Die Methode basiert auf einer Analyse des Y-Chromosoms, das nur Männer besitzen. Es wird vom Vater an den Sohn weitergegeben. In der Regel übernimmt der Sohn auch den Nachnamen vom Vater. "Deshalb könnte ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Nachnamen eines Mannes und dem Typen des Y-Chromosoms, das er trägt", sagte Turi King, die an der Leicester University promoviert hat. Diese Verbindung könne prinzipiell bei allen Männern bestehen, die in einem großen Stammbaum den gleichen Nachnamen tragen.
King und ihre Kollegen haben die Hypothese in einer Studie mit 2500 Männern überprüft, die 500 verschiedene Nachnamen tragen. Das Ergebnis: Die Methode könnte tatsächlich funktionieren. Vor allem bei seltenen Nachnamen lieferte sie erstaunlich genaue Zusammenhänge. Wenn Männer den gleichen Nachnamen tragen, bestehe eine 24-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass sie denselben Ahnen und damit den gleichen Y-Chromosomentyp besitzen.
Bei weniger häufigen Namen erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent, erklärte King. Bei besonders seltenen Namen wie Attenborough oder Swindlehurst fanden die Forscher sogar bei 70 Prozent aller Männer übereinstimmende Gen-Merkmale. Anders verhalte es sich etwa bei dem weit verbreiteten Namen Smith. Denn Schmiede gab es in der Vergangenheit eine ganze Menge, und entsprechend groß ist die Varianz der Y-Chromosomen bei den heutigen Smiths.
Um die Methode in der Forensik nutzen zu können, benötige man große Datenbanken mit Profilen von Y-Chromosomen und Nachnamen. King wies zugleich daraufhin, dass damit keine hundertprozentig sicheren Aussagen möglich seien. Der leibliche Vater und Namensgeber müssten nicht automatisch identisch sein. Dies unterbreche die Weitergabe des namenstypischen Y-Chromosoms wie auch Adoptionen oder Namenswechsel.
hda/Reuters
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