Ein Schokoladenriegel kann extrem Lust machen. Er kann Kontrollmechanismen geradezu außer Gefecht setzen, die normalerweise eine geregelte Nahrungsaufnahme garantieren. Ist der Riegel allerdings von Magensäure und Verdauungsenzymen in seine Bestandteile zerlegt worden, reagiert der Körper normalerweise mit wohliger Zufriedenheit. Dieser Effekt ist allerdings bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt und führt dazu, dass jene eher zu Fettleibigkeit neigen, deren Gehirn weniger auf Belohnung reagiert.
Schuld daran ist eine verminderte Anzahl bestimmter Rezeptoren für den Botenstoff Dopamin, berichten Forscher um Eric Stice von der University of Texas in Austin im Fachmagazin "Science" (Bd. 322, S. 449). Dopamin wird beim Essen im Gehirn freigesetzt und vermittelt ein gutes Gefühl. Menschen mit einer Genvariante, die dazu führt, dass der Rezeptor für den Botenstoff nicht so häufig vorkommt, müssen daher für den gleichen Genuss mehr essen und tendieren dementsprechend auch eher zu Übergewicht.
Mit Hilfe von funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) untersuchten die Wissenschaftler die Hirnaktivität von jungen Frauen, während diese entweder einen Schokoladenmilchshake oder eine geschmacklose Flüssigkeit tranken. Die MRT-Aufnahmen zeigten, dass das Belohnungszentrum im Gehirn stark übergewichtiger Frauen weniger aktiv wurde als bei den schlankeren Probandinnen. Frauen mit einer sogenannten A1-Variante des Gens, das für die Herstellung des beteiligten Dopaminrezeptors zuständig ist, reagierten dabei am schwächsten und nahmen eher zu.
Die Ergebnisse der Studie könnten zu neuen Therapien gegen Übergewicht beitragen: Stice spekuliert, dass das Belohnungsdefizit bei Menschen mit der kritischen Genvariante in Zukunft mit Verhaltenstraining oder Medikamenten beeinflusst werden könnte. Das Defizit bei der Reaktion auf Dopamin ist wahrscheinlich nicht nur auf Belohnung durch Essen beschränkt, sondern betrifft möglicherweise auch die Wirkung von Drogen.
hei/ddp
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