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23.10.2008
 

Durchleuchtung

Kaum Zweifel an Sicherheit der Scanner

Schwache Strahlung, keine Schäden: Ganzkörperscanner sind gesundheitlich unbedenklich, weil die verwendeten Terahertzwellen kaum ins Gewebe eindringen, sagen Wissenschaftler. Trotzdem gibt es neue Studien - um ganz sicher zu gehen.

Straßburg - Sie stehen nackt am Flughafen? Vor und hinter ihnen lauter Anzugträger? Was für viele wie ein Alptraum klingt, ist in den USA schon Alltag. Dort setzt das Sicherheitspersonal Ganzkörperscanner ein, die Passagiere bis auf die Haut durchleuchten - sichtbar allerdings nur für einen Beamten, der in einer abgeschotteten Kammer zwar den Körper, nicht aber das Gesicht des Fluggastes sieht. Das Ziel der Technik: Elektromagnetische Strahlen sollen ein dreidimensionales Bild des Passagiers erstellen. Dadurch werden alle am Körper befestigten Gegenstände sichtbar. Auch nicht-metallische Gegenstände wie Plastiksprengstoff oder Keramikmesser würden dem Gerät nicht entgehen. In London, Amsterdam und Zürich testet das Flughafenpersonal die sogenannten Nacktscanner, und die EU-Kommission will die Geräte generell zulassen.

Doch nun fordert das Europaparlament mehr Aufklärung: Die EU-Kommission müsse innerhalb von drei Monaten prüfen, welche Auswirkungen die Durchleuchtungsgeräte auf die Persönlichkeitsrechte und die Gesundheit der Passagiere haben könnten.

Auch ohne eingehende Prüfung sind Wissenschaftler schon jetzt weitgehend davon überzeugt, dass die Ganzkörperscanner gesundheitlich unbedenklich sind. Die Geräte senden sogenannte Terahertzstrahlen aus, elektromagnetische Strahlung im Frequenzbereich zwischen Mikrowellen und Infrarotstrahlung. "Die Strahlung kann gar nicht tief genug ins Gewebe eindringen, weil sie von Wasser absorbiert wird", erklärt Martin Hofmann, Leiter des Lehrstuhls Photonik und Terahertztechnologie an der Ruhr-Universität Bochum im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Daher sind sie für den Menschen ungefährlich."

"Der Bürger will beruhigt werden"

Für Hofmann wäre eine Diskussion um eine Gesundheitsgefährdung durch Terahertz-Scanner in etwa vergleichbar mit der Angst vor Elektrosmog, verursacht etwa durch Handys oder Stromleitungen. "Sonnenlicht ist wesentlich gefährlicher", meint Hofmann. "UV-Licht kann DNA-Schäden hervorrufen, bei Terahertzwellen reicht die Energie dafür längst nicht aus." Die einzige theoretische Gefahr ist nach Hofmanns Ansicht, dass Schäden durch die Erwärmung des Gewebes könnten. Dass die Scanner an Flughäfen aber Passagiere verbrennen, ist kaum vorstellbar - denn sie sind den Strahlen jeweils nur für wenige Sekunden ausgesetzt.

Ähnlich wie bei der schon oft mit einem Nein beantworteten Frage, ob Handystrahlen schaden, gibt es auch über die Terahertzstrahlung immer neue wissenschaftliche Studien. Das Bundesamt für Strahlenschutz etwa hat im vergangenen Jahr die Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig (PTB) damit beauftragt, die Wirkung der Wellen auf Zellkulturen zu untersuchen.

Jeweils zwei und acht Stunden lang sollen unterschiedlich kultivierte menschliche Hautzellen von einem Terahertzstrahler beschossen werden. Anschließend wollen die PTB-Forscher gemeinsam mit Biologen nach Schäden suchen. Allerdings haben die hohen Strahlendosen, die die Zellkulturen in der Studie abbekommen, mit der Realität an den Flughäfen kaum etwas zu tun.

Scanner setzen auch Röntgenstrahlung ein

Neben den Terahertzwellen wird in den USA noch eine zweite Ganzkörperscanner-Technologie getestet: die sogenannte Röntgen-Rückstreuung. Röntgenstrahlen prallen von der Haut ab, werden wieder aufgefangen und lassen Schwarzweiß-Bilder entstehen. Auch sie sollen in der Lage sein, nicht-metallische Gegenstände zuverlässig zu entdecken. Die dabei anfallende Röntgen-Dosis ist nach Angaben der US-Flugsicherheitsbehörde TSA nicht größer als die, die ein Passagier innerhalb von zwei Minuten in einem Flugzeug auf Reiseflughöhe abbekommt.

Die Zellkultur-Versuche an der PTB dürften allenfalls zeigen, dass selbst die hohen Leistungen im Bereich der jetzigen Grenzwerte die DNA nicht schädigen. "Der Bürger will beruhigt werden", sagt Martin Koch, Leiter der Arbeitsgruppe Terahertz-Systemtechnik an der TU Braunschweig zu SPIEGEL ONLINE. "Viele Menschen kriegen einfach Angst, wenn man von Strahlen spricht." Im Zusammenhang mit Terahertzstrahlung sollte man vielleicht besser von "Wellen" sprechen, so Koch.

Ob eine solche Anti-Angst-Strategie allerdings Wirkung zeigen wird, ist offen. Handy-Strahlung etwa sorgt noch immer für Furcht - obwohl schon Tausende Studien über die Wirkung elektromagnetischer Felder auf den Menschen durchgeführt wurden. Hinweise auf akute Gefahren: bisher keine.

hei/dpa/ddp

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