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07.03.2009
 

Hypnose in der Medizin

Entspann dich, jetzt kommt das Skalpell

Von Ute Eberle

3. Teil: Hypnose ist das Gegenteil des Phantomschmerzes

Wie nützlich der mentale Ausnahmezustand für medizinische Zwecke ist, wussten bereits Heiler der Antike, etwa im alten Ägypten. Doch erst dank moderner Technik können Wissenschaftler verfolgen, was genau dabei im Kopf vor sich geht.

Patient beim Zahnarzt: "Dein Mund ist wie eine Wohnung, die renoviert wird"
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DPA

Patient beim Zahnarzt: "Dein Mund ist wie eine Wohnung, die renoviert wird"

Forscher am Krankenhaus Lüttich haben die Hirnscans von Personen untersucht, die in einem funktionellen Magnetresonanztomografen (fMRT) lagen, während ein Radiologe einen schmerzhaft heißen Laserstrahl auf eine Hautstelle richtete. In der Hand hielten die Freiwilligen einen Knopf – sobald sie ihn drückten, schaltete der Forscher den Laser ab.

Neurologen wissen, welche Prozesse unter solchen Umständen im Körper ablaufen: Die Rezeptoren der Haut registrieren die Hitze und senden entsprechende Signale über die Wirbelsäule zum Gehirn. Elektrische Impulse und chemische Botenstoffe verteilen diese dort in verschiedene Hirnareale. Auf dem MRT-Monitor in Lüttich ließ sich all das auch gut verfolgen. Großflächig leuchteten Gehirnzentren auf, es entstand ein "Netzwerk des Schmerzes". Erst diese Hirnaktivität macht einem bewusst, dass etwas wehtut.

Ein anderes Bild aber bot sich, sobald die Freiwilligen hypnotisiert waren. Dann blieben die Zentren im Gehirn lange ruhig, das Schmerznetzwerk baute sich allenfalls langsam auf, und die Probanden drückten den Stoppknopf erst bei deutlich stärkeren Hitzereizen.

In gewisser Weise ist eine Hypnose damit das Gegenteil des Phantomschmerzes, den Amputierte in verlorenen Gliedern zu spüren glauben. In solchen Fällen reagiert das Gehirn, als ob es Signale von Rezeptoren empfängt, die in Wirklichkeit nicht mehr existieren, und interpretiert sie als Pein. In der Hypnose dagegen sind die Signale echt, und sie kommen auch an. Doch vermag es das Gehirn nicht, diese als Schmerz zu identifizieren.

Dafür spielen wahrscheinlich zwei Hirnareale eine wichtige Rolle, die zum Gyrus cinguli gehören, einer Struktur des limbischen Systems: Eines sorgt für eine Ausschüttung körpereigener Opiate, das andere verändert die Bewertung des Schmerzreizes.

Um den Effekt noch zu verstärken, versichern Hypnotiseure ihren Patienten gern, sie trügen einen "schützenden Handschuh" oder fühlten sich "taub". Denn die Erfahrung zeigt, dass Menschen in Trance empfänglich sind für Suggestion, selbst wenn diese unlogisch ist.

Wie sehr das Gehirn bereit ist, sich auf vorgegaukelte Realitäten einzulassen, hat ein Experiment an der Harvard University bewiesen. Der Psychologe Stephen Kosslyn zeigte Probanden, die in einem Positronen-Emissions-Tomografen (PET) lagen, Schwarz-Weiß- und Farbfotos. Bei den Schwarz-Weiß-Bildern wurden die Probanden aufgefordert, sich eine Farbe vorzustellen. Die Imagination führte zu deutlich weniger Aktivität in den Farberkennungszentren des Gehirns als das Betrachten einer realen Farbe.

Dann wurden die Personen hypnotisiert und der Versuch wiederholt. Mit einem Unterschied: Statt sich eine Farbe vorzustellen, wurde ihnen vom Hypnotiseur eine Farbe eingeflüstert. Nun feuerten beim Anblick des Schwarz-Weiß-Fotos exakt die gleichen Hirnregionen wie zuvor bei dem farbigen Bild.

Mit anderen Worten: Wurde dem Gehirn unter Hypnose eine Farbe eingeredet, dann sah es sie – und konnte, anders als bei der Imagination, nicht zwischen Realität und Suggestion unterscheiden. Wie Hypnose das bewirkt, weiß bisher niemand genau. Womöglich wird durch eine Versenkung die rechte Gehirnhälfte stärker angesprochen, die für Suggestionen empfänglicher ist. Was sich dabei im Kopf abspielt, beeinflusst offenbar weit mehr als nur das Schmerzempfinden.

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insgesamt 15 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.03.2009 von Hypnoticus: An heikob8:

Schön, Sie haben Verbesserungspotential gefunden. Danke für den Hinweis. Den Rest kann ich nicht nachvollziehen - speziell wenn Sie sich schon über Leute die Ihre Sprache sprechen lustig machen, so beweisen Sie eigentlich [...] mehr...

24.03.2009 von DiePraxis: kurs

Hello Hypnoticus, ich verstehe Ihre Argumentation nicht. Einerseits sagen Sie : >Woher kommt denn eigentlich die Garantie, dass ein Dr. >Titel auch garantiert, dass ich einen kompetenten >Hypnosetherapeuten vor mir [...] mehr...

12.03.2009 von DiePraxis: Individuelle Befindlichkeit in der Therapie

>>Ich hatte mal in meiner Marburger Zeit eine sehr eidrige Zahnentzündung. Mein Zahnarzt führte eine Lachgasnarkose aus. Nach einiger Zeit der Einwirkung sollte ich meinen Namen nennen, den Arm heben, etc. Es ging nicht! Ich [...] mehr...

11.03.2009 von Hypnoticus: Herausforderung!

Gerne mache ich Ihnen unbekannterweise einen Vorschlag: Melden Sie sich zu einem meiner Kurse an. Sie müssen nichts bezahlen. Vollkommen gratis - was gratis ist, hat ja aber bekanntlich keinen Wert...aber hier kommt deshalb [...] mehr...

11.03.2009 von adsum: Schmerzbekämpfung mit Hypnose oder Chemie?

Zustimmung! Ich habe nur aus meinen Erfahrungen in den 50ern berichtet und habe mich der Chemie beruflich zugewandt. Da ich kein Zahnarzt, Mediziner, Psychologe, Heilpraktiker etc. geworden bin, brauche ich das Werkzeug der [...] mehr...

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