Mittwoch, 10. Februar 2010

Wissenschaft



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17.12.2008
 

Mammut-OP

Chirurgen transplantieren 80 Prozent eines Gesichts

Chirurgen einer US-Klinik ist in einer 22-stündigen Operation ein medizinischer Kunstgriff gelungen. Die acht Ärzte transplantierten ein fast komplettes Gesicht: Sie ersetzten 80 Prozent des Gesichtsgewebes einer Amerikanerin durch das einer gestorbenen Frau.

New York/Cleveland - Für die Mikrochirurgen um Maria Siemionow von der Cleveland Clinic war es ein außergewöhnlicher Operationstermin: In einem achtköpfigen Team nahmen sie den Eingriff vor und transplantierten nach eigenen Angaben ein fast komplettes Gesicht.

Sie ersetzten 80 Prozent des entstellten Gesichts einer Amerikanerin durch das Gewebe einer gestorbenen Frau. Das teilte die Klinik in Cleveland im US-Staat Ohio am Mittwoch auf ihrer Internet-Seite mit. Die Patientin wollte anonym bleiben.

Dem Eingriff seien mehr als zwei Jahrzehnte Forschung vorausgegangen, sagte Siemionow auf einer Pressekonferenz. "Der Patientin geht es gut. Die Operation hat 22 Stunden gedauert, aber die Vorbereitung der Operation hat mehr als 20 Jahre Arbeit im Bereich der Transplantation von zusammengesetztem Gewebe erfordert." Die Chirurgin versicherte, die Patientin sei sorgfältig ausgewählt worden. Nur die "entstelltesten" Patienten, bei denen andere Behandlungen erfolglos gewesen seien, kamen demnach in Frage. Die Operation solle jenen Patienten Hoffnung geben, "die sich vor der Gesellschaft verstecken, weil sie Angst haben, nur mal zum Lebensmittelgeschäft zu gehen".

Die Operation erfolgte bereits vor einigen Wochen unter der Leitung von Siemionow. Sie hatte als erste Ärztin in Amerika die Erlaubnis erhalten, ein fast komplettes Gesicht zu transplantieren.

Die weltweit erste Frau mit einer Gesichtstransplantation war im Jahr 2005 die Französin Isabelle Dinoire gewesen. Die damals 38-Jährige war von ihrem Hund angefallen und im Gesicht schwer entstellt worden. Bei der Operation erhielt sie das Unterteil des Gesichtes - ein Dreieck aus Nase, Mund und Kinnpartie - von einer hirntoten Organspenderin.

Zehn Monate nach der Operation konnte Dinoire ihre Lippen ganz schließen, nach 18 Monaten wieder normal lächeln.

Als zweiter bekam der damals 30-jährige Chinese Li Guoxing nach einem Kampf mit einem Bären 2006 zwei Drittel des Gesichtes erneuert - eine neue Wange, eine Oberlippe, eine Nase und eine Augenbraue. Als dritter Mensch erhielt ein damals 27-jähriger Franzose mit "Elefantenmann-Syndrom" 2007 ein Dreieck aus Nase, Mund, Kinn und Wangenteilen übertragen.

Gesichtstransplantationen dienen vor allem einem besseren Befinden des Patienten, sie werden weniger aus zwingenden medizinischen Gründen vorgenommen. Wegen der hohen Risiken, die sie bergen, sind sie umstritten. So besteht die Gefahr eines Verfalls der Zellen des Transplantats, außerdem können die Medikamente, die teilweise lebenslang gegen die körpereigene Abwehr eingenommen werden müssen, Komplikationen verursachen.

Kritik an der Operation in Cleveland übte der Bioethik-Experte Arthur Caplan. "Es ist eine Sache, sein Leben mit einem furchtbar entstellten, verstümmelten, verletzten Gesicht zu verbringen", sagte er dem US-Fernsehsender CNN. "Es ist eine andere Sache, es sich in ein misslungenes Experiment verwandeln zu sehen." Sollte das Gesichtstransplantat abgestoßen werden, könne die Patientin nicht mehr essen und trinken und müsste künstlich ernährt werden, warnte Caplan.

hen/dpa/AFP

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